Sevim Dagdelen (Die Linke), Bochum I

Hat die Corona-Pandemie Ihren Blick auf die Apotheken vor Ort verändert – und falls ja, wie?
Sevim Dagdelen: Eine gute und wohnortnahe Versorgung mit Apotheken hat in den letzten Monaten wesentlich an Bedeutung gewonnen, da Innenstädte und Einkaufzentren über lange Strecken geschlossen waren. Es ist gut, dass Apothekerinnen und Apotheker, die mit ihrer Expertise kompetent beraten können, wieder an Wertschätzung gewonnen haben. Als LINKE haben wir uns immer für den Erhalt einer guten medizinischen Infrastruktur, die zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehört, eingesetzt. Corona hat mir persönlich gezeigt, dass diese Wertschätzung genau richtig war und ist.
 
Welche Rolle sollen die Apotheken vor Ort nach der Corona-Krise für die Gesundheitsversorgung der Menschen spielen?
Apotheken sind ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Als LINKE setzen wir uns deshalb dafür ein, dass es eine bestmögliche und wohnortnahe Versorgung mit Apotheken gibt. Dezentrale Angebote sparen Zeit, reduzieren den Verkehr und sind vor allem für viele Menschen, insbesondere in Situationen wie der Coronapandemie, die einzige Möglichkeit, ihren Bedarf an Arzneimitteln unter fachkundiger Beratung zu decken.
 
Und welche Rolle soll der ausländische Versandhandel künftig einnehmen?
Hier bestehen zu Recht große Bedenken. Anders als bei Großhändlern ist beim Versandhandel nicht ausreichend gesichert, dass die strengen Regeln z.B. für temperaturempfindliche Medikamente auch wirklich eingehalten werden. Dass die Bundesregierung hier nicht besonders genau hinschaut, zeigt die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Strengere Kontrollen verringern die Rentabilität dieses Geschäftsmodells deutlich, doch nur unter diesen Bedingungen ist der ausländische Versandhandel überhaupt rentabel. Da die Gesundheit des Menschen immer den Vorrang vor Profiten haben muss, führt kein Weg an wirksamen Kontrollen vorbei. Hier muss die Bundesregierung entweder handeln, oder den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten komplett verbieten, so wie es auch in anderen EU-Ländern bereits der Fall ist.
 
Haben Sie schon einmal den Nacht- oder Notdienst einer Apotheke gebraucht?
Ja, und ich war froh über diesen Service.
 
Das E-Rezept kommt – wo werden Sie es einlösen und warum dort?
In meiner Stammapotheke natürlich, auf deren Service und Kompetenz ich auch zukünftig nicht verzichten will.
 
Wie wollen Sie das flächendeckende Netz der Apotheken vor Ort für die Zukunft bewahren und damit die persönliche, flexible pharmazeutische Betreuung der Patienten sichern?
Wir fordern als LINKE das Verbot des Rx-Versandhandels, um die Apotheken vor Ort zu schützen. Es ist schade, dass die Bundesregierung auf dieses konsequente Mittel zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken gegen den durch sie bevorzugten Versandhandel verzichtet, obwohl ein solches in drei Viertel aller EU-Staaten praktiziert wird. Im Sinne der Arzneimittelsicherheit ist die Apotheke vor Ort aber unverzichtbar. Nur in lokalen Apotheken ist eine umfassende Beratung und Versorgung aller Bevölkerungsschichten und Altersgruppen möglich.


Sevim Dagdelen

  • geboren 1975
  • Wohnort: NRW/Berlin 
  • Beruf: Journalistin 
  • Parteieintritt: 2005
  • wichtigste politische Stationen: seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages, stellvertretende Fraktionsvorsitzende (2017-2020), Leiterin der AG Aussenpolitik und Obfrau im Auswärtigen Ausschuss der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag 

Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
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