Kira Sawilla (Die Linke), Münster

Hat die Corona-Pandemie Ihren Blick auf die Apotheken vor Ort verändert - und falls ja, wie?
Kira Sawilla: DIE LINKE hat sich schon immer für die flächendeckende Versorgung mit Präsenzapotheken und die Stärkung des heilberuflichen Charakters der pharmazeutischen Berufe eingesetzt. Die Corona-Pandemie hat uns in dieser Position bestärkt und wir hoffen, dass auch andere Parteien diesen Teil der Gesundheitsversorgung wieder mehr wertschätzen. In diesem Sinne bekämpfen wir alle Versuche, das Fremd- und Mehrbesitzverbot weiter aufzuweichen und andere marktradikale Vorstellungen durchzusetzen. Den heilberuflichen Charakter zu stärken bedeutet für uns unter anderem, den Aufwand für die Distribution und kurzfristigen Kostendämpfung zu reduzieren (z.B. durch Abschaffung der Rabattverträge und der Importförderung) und stattdessen die patientennahen Aufgaben etwa zur Förderung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und anderer pharmazeutischer Dienstleistungen zu fördern (sh. unten).

Welche Rolle sollen die Apotheken vor Ort nach der Corona-Krise für die Gesundheitsversorgung der Menschen spielen?
Apotheker*innen sollten als Expert*innen für Arzneimittel eine größere Rolle spielen. Verschiedene Modellversuche, aber auch die internationale Praxis zeigen, dass die Versorgungsqualität und Therapiesicherheit durch eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Berufen verbessert werden kann. Wir schätzen die 24-Stunden-Versorgung als wichtiges Gut auch für Krisenzeiten ein und stemmen uns gegen eine Sparpolitik, die nur die Schönwetter-Perioden im Blick hat.

Und welche Rolle soll der ausländische Versandhandel künftig einnehmen?
DIE LINKE ist die einzige Partei, die die Legalisierung des RX-Versandhandels seit seinem Bestehen abgelehnt hat. Der Hauptgrund liegt in der fehlenden face-to-face-Beratung, in der in einer individuell angepassten Sprache auf Fragen eingegangen werden kann. Hinzu kommt, dass Arzneimittelversender sich nicht oder nur eingeschränkt an aufwändigen, aber notwendigen Aufgaben wie dem Nacht- und Notdienst, der Rezepturherstellung oder der BtM-Abgabe beteiligen. Zudem dürfen ausländische Apotheken nach wie vor bei Privatrezepten Rabatte anbieten, die Präsenzapotheken verboten sind. Auch Menschen mit intensivem Beratungsbedarf wenden sich eher an eine Präsenzapotheke, was die Ungleichbehandlung bei gleicher Honorierung verstärkt. Die Schwierigkeiten, seriöse von unseriösen Angeboten mit erheblichen Gesundgefahren abzugrenzen, kommen hinzu. Das EUGH-Urteil 2016 hat noch einmal gezeigt, dass die Abschaffung des RX-Versandhandels die aus Versorgungssicht einzig richtige Reaktion ist.

Haben Sie schon einmal den Nacht- oder Notdienst einer Apotheke gebraucht?
Nein. 

Das E-Rezept kommt - wo werden Sie es einlösen und warum dort?
Das E-Rezept bietet Chancen, weil es Medienbrüche und damit Fehlerquellen vermeidet sowie die Selbstbestimmung der Patient*innen stärken kann. Es bringt aber auch Risiken mit sich, die nach Kräften minimiert werden müssen. So hat DIE LINKE weitere gesetzliche Maßnahmen gegen das widerrechtliche Handeln oder Makeln mit Verordnungen gefordert. Die Versorgung muss weiterhin krisensicher ausgestaltet werden und auch bei einem Zusammenbruch des Internets funktionieren. Wir haben scharf kritisiert, dass die versprochene Freiwilligkeit der E-Rezept-Nutzung für die Versicherten bei der ersten Gelegenheit abgeschafft wurde. Uns ist es zudem sehr wichtig, dass alle Maßnahmen der Digitalisierung zuvorderst von den Patient*innen her gedacht wird. Das heißt, gerade Menschen im höheren Alter, mit besonderen Einschränkungen und Behinderungen, Menschen ohne Smartphone, Menschen mit eingeschränkter gesellschaftlicher Teilhabe und geringen finanziellen Möglichkeiten müssen nicht nur mitgedacht werden, sondern im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Ein digitales Gesundheitswesen, das auf junge, technikaffine Menschen mit dem neuesten Smartphone zugeschnitten ist, nutzt niemandem.

Wie wollen Sie das flächendeckende Netz der Apotheken vor Ort für die Zukunft bewahren und damit die persönliche, flexible pharmazeutische Betreuung der Patienten sichern?
Wir wollen Apothekenketten, erst Recht in der Hand von Kapitalgesellschaften, mit allen Mitteln verhindern. Wir wollen die Rosinenpickerei des Versandhandels und die damit verbundene Schwächung der Präsenzapotheken beenden. Das geht nur mit einem Verbot des RX-Versandhandels. Wir sehen in neuen pharmazeutischen Dienstleistungen ein großes Potential zur heilberuflichen Weiterentwicklung der pharmazeutischen Berufe. Ob zusammen mit dem Krankenhaus oder der Praxis, ob im Pflegeheim oder bei den Patient*innen - auf vielen Ebenen kann die Versorgung besser und sicherer gemacht werden. Falsche Verordnung und Anwendung von Arzneimitteln ist ein stark unterschätztes Problem, bei dem Apotheker*innen ihre Kompetenzen deutlich stärker einbringen können. Wir sind der Überzeugung, dass eine hohe Therapiequalität und die Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen letztlich nicht nur die gesündere, sondern auch die wirtschaftlichere Versorgung ist.


Kira Sawilla

  • geboren 2000
  • ledig
  • Wohnort: Münster
  • Beruf: Studentin der Kommunikationswissenschaft
  • Parteintritt: 2018
  • wichtigste politische Stationen: Mai 2021: Einstimmige Wahl zur Direktkandidatin der LINKEN Münster, Oktober 2020: Wahl als Jugendpolitische Sprecherin der LINKEN NRW, März 2019 bis Oktobert 2020: Landessprecherin der Linksjugend ['solid] NRW

Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

Montag bis Freitag:
8:30 bis 13:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr

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