Holger Thamm (Grüne), Olpe - Märkischer Kreis I

Hat die Corona-Pandemie Ihren Blick auf die Apotheken vor Ort verändert – und falls ja, wie?
Holger Thamm: In der Corona-Krise haben die Apotheken über die eigentlichen Dienstleistungen hinaus eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung übernommen. Vielen Dank dafür! Über die Apotheken konnte sehr schnell und fachkompetent eine Versorgung bspw. mit Masken und Selbsttest erfolgen und lokale Angebote für Schnelltest gemacht werden. Diese Versorgungsstruktur im Krisenfall ist elementar für die Bevölkerung.

Welche Rolle sollen die Apotheken vor Ort nach der Corona-Krise für die Gesundheitsversorgung der Menschen spielen?
Eine patientennahe, flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln durch Apotheken ist unverzichtbar. Als Experten der Arzneimittelversorgung können Apothekerinnen und Apotheker ein Plus an medizinischer Behandlungsqualität, bessere Arzneimittelsicherheit und weniger Fehlmedikationen schaffen. Sie sind häufig erste Anlaufstellen im Krankheitsfall und gewährleisten die Arzneimittelversorgung am Tag und in der Nacht. Um diese Aufgaben der Gesundheitsversorgung heute und in Zukunft zu erfüllen, muss die Arzneimittelversorgung durch Apotheken bundesweit wohnortnah, vor Ort tags und nachts gewährleistet sein.

Und welche Rolle soll der ausländische Versandhandel künftig einnehmen?
Die durch das Urteil des europäischen Gerichtshofs von 2016 entstandene Benachteiligung inländischer Apotheken sollte aufgehoben werden. B90/Die Grünen setzen sich dafür ein, den Kampf gegen Steuerdumping und aggressive Steuervermeidung entschieden fortzuführen. Umfassende Transparenzpflichten, insbesondere eine öffentliche länderbezogene Offenlegungspflicht für multinationale Unternehmen, sind dabei von zentraler Bedeutung.

Haben Sie schon einmal den Nacht- oder Notdienst einer Apotheke gebraucht?
In der Tat ja, allerdings mit weniger gutem Ergebnis. Kann aber auch daran liegen, dass mir die örtlichen Gegebenheiten nach einem Umzug noch nicht ausreichend bekannt waren.

Das E-Rezept kommt – wo werden Sie es einlösen und warum dort?
Wir haben aus privaten Gründen ein hohes Rezeptaufkommen. Das E-Rezept würde uns helfen, die Versorgungsabläufe zu beschleunigen und Fehler bei Übermittlung und Bereitstellung der Medikamente zu vermeiden bzw. die Abläufe zu beschleunigen. Heute läuft das Verfahren halb-automatisch, per Papierrezept und Bestell-App. 

Wie wollen Sie das flächendeckende Netz der Apotheken vor Ort für die Zukunft bewahren und damit die persönliche, flexible pharmazeutische Betreuung der Patienten sichern?
Dass die bedarfsgerechte Apothekenversorgung keinesfalls garantiert ist, zeigen verschiedene Gutachten. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf, bspw. um die Vergütung und die Rahmenbedingungen der Apothekerinnen und Apotheker schnellstmöglich so zu reformieren, dass eine patientennahe und bedarfsgerechte Arzneimittelversorgung überall sichergestellt ist. Denn gerade für Akutkranke und ältere Menschen ist die Versorgung durch die Apotheke vor Ort unverzichtbar. Sinnvoll vernetzt mit Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Gesundheitsberufen, ist diese pharmazeutische Kompetenz vor Ort unverzichtbar. Weitere Herausforderungen der Arzneimittelversorgung kommen auf uns zu. Dem gesellschaftlichen Wandel ist mit einer stärkeren Nachfrage jüngerer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten nach Angestelltenverhältnissen Rechnung zu tragen, indem die Anzahl der zu führenden Filialapotheken unter bestimmten Bedingungen angehoben und das gemeinsame Betreiben von Apotheken durch mehrere Apothekerinnen und Apotheker erleichtert wird.


Holger Thamm

  • 48 Jahre
  • verheiratet, drei Kinder
  • Wohnort: Olpe
  • Beruf: Diplom-Ingenieur (Angestellter)
  • Mitglied B90/Die Grünen seit September 2019
  • bisher keine landes- oder bundespolitischen Ämter

Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

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8:30 bis 13:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr

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