Bettina Lugk (SPD), Märkischer Kreis II

Hat die Corona-Pandemie Ihren Blick auf die Apotheken vor Ort verändert – und falls ja, wie?
Bettina Lugk: Ein flächendeckendes Apothekennetz vor Ort war schon vor der Pandemie unverzichtbar – gerade im ländlichen Raum – da die Apothekerinnen und Apotheker äußerst wichtige Versorgungsaufgaben leisten. Durch die Corona-Krise haben die Apotheken aber nochmal einen höheren Stellenwert bei der Bevölkerung eingenommen und deutlich gemacht, dass sie mehr als eine reine Medikamentenausgabestelle sind. Sie haben kurzfristig mehr Verantwortung übernommen: u.a. durch die Herstellung von Desinfektionsmitteln, die Herausgabe von FFP2-Schutzmasken an Risikogruppen oder die Ausstellung der digitalen Impfnachweise. Ich habe zudem den Eindruck, dass die Apotheken während des Lockdowns häufiger bei leichten Erkrankungen aufgesucht wurden, wofür man normalerweise zum Arzt gegangen wäre. Ich selbst musste während der Pandemie auch die Apotheke aufsuchen und war überrascht, dass sich das Personal – trotz der Umstände – ausreichend Zeit für meine Anliegen genommen hat. 
 
Welche Rolle sollen die Apotheken vor Ort nach der Corona-Krise für die Gesundheitsversorgung der Menschen spielen?
Ich denke, für den Großteil der Bevölkerung ist es unerlässlich, eine Apotheke in der Nähe zu haben. Für gesundheitliche Kleinigkeiten, die man selbst behandeln kann, zieht man häufig einen Apothekenbesuch mit qualifizierter Beratung einem Arztbesuch mit vollem Wartezimmer oder langen Wartezeiten vor. Die Bürgerinnen und Bürger schätzen den persönlichen Kontakt – haben teilweise über Jahre eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut. Die Apothekerinnen und Apotheker nehmen sich Zeit, unterstützen mit Rat und Tat bei den persönlichen Anliegen und Wünschen, und, wenn es absolut notwendig ist, sind Medikamente auch im Nacht- und Notdienst verfügbar.
 
Und welche Rolle soll der ausländische Versandhandel künftig einnehmen?
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich noch nie bei einem Online-Händler ein rezeptfreies Arzneimittel bestellt habe. Jedoch ist eine Versandapotheke in meinen Augen, mit dem umfassenden Leistungsangebot und der menschlichen Nähe einer Vor-Ort-Apotheke nicht zu vergleichen. Ich sehe europäische Versandapotheken auch nicht als Ersatz, sondern als optimale Ergänzung: So kann der Versandhandel helfen, medizinische Versorgungslücken in ländlichen Regionen und von mobil eingeschränkten Personen zu schließen. Durch das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz konnten wir mit einem einheitlichen Abgabepreis einen fairen Wettbewerb zwischen den europäischen Versandapotheken und der deutschen Apotheke vor Ort schaffen.
 
Haben Sie schon einmal den Nacht- oder Notdienst einer Apotheke gebraucht?
Ich selbst musste den Nacht- und Notdienst bisher nicht in Anspruch nehmen, aber meine Eltern. Für diese Möglichkeit waren wir sehr dankbar.

Das E-Rezept kommt – wo werden Sie es einlösen und warum dort?
Während das E-Rezept ein sehr wichtiger Baustein für die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist und die Arzneimittelversorgung optimieren wird, ist es wichtig, dass eine ausgedruckte Variante des Rezepts weiterhin erhalten bleibt – nämlich für genau den Bevölkerungsanteil, der kein Smartphone hat oder diesen Service nicht in Anspruch nehmen möchte. Wenn ich es richtig verstehe, kann ich das E-Rezept mithilfe einer App direkt auf mein Smartphone laden und dieses in der Apotheke meiner Wahl – vor Ort oder online – einlösen. Ich habe meine verschreibungspflichtigen Rezepte bisher immer in der Vor-Ort-Apotheke eingelöst und werde dies auch weiterhin so handhaben. Denn einige Fragen, die einem oft erst später bezüglich der Medikamenteneinnahme einfallen, lasse ich mir lieber durch eine persönliche Beratung Angesicht zu Angesicht beantworten.
 
Wie wollen Sie das flächendeckende Netz der Apotheken vor Ort für die Zukunft bewahren und damit die persönliche, flexible pharmazeutische Betreuung der Patienten sichern?
In einer alternden Gesellschaft müssen Arzneimittel auch zukünftig zuverlässig und vor allem flächendeckend zur Verfügung stehen – was die Apotheken vor Ort auch in Zukunft unverzichtbar macht.  Ich glaube, dass sich Apotheken mit ihrem Aufgabenportfolio immer breiter aufstellen. Wir haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Apotheken vor Ort umfassend gestärkt werden: So haben wir einen zusätzlichen finanziellen Spielraum für die Apothekerinnen und Apotheker geschaffen und uns darum gekümmert, dass pharmazeutische Dienstleistungen besser honoriert und Botendienste unbefristet bezahlt werden. Auch die Nacht- und  Notdienstvergütung wurde durch die Große Koalition erhöht. Wir wollen auf diesen Verbesserungen weiter aufbauen, um ein flächendeckenden Netz nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter zu stärken. Für transparente und gerechte Wettbewerbsbedingungen werden wir uns auch zukünftig einsetzen. Wir dürfen aber an dieser Stelle nicht vergessen, dass wir zugleich die ärztliche Versorgung v.a. im ländlichen Raum langfristig sichern müssen. Denn, wenn die Anzahl der Praxen vor Ort weiter sinkt, werden auch automatisch weniger Rezepte ausgestellt, was wiederum die Apotheken nebenan vor große Probleme stellt.


Bettina Lugk

  • geboren 1982
  • Beruf: Geowissenschaftlerin, Verwaltungsfachwirtin
  • Wohnort: Iserlohn
  • Parteieintritt in die SPD: 2005
  • wichtigste politische Stationen: 2007 - 2011 Landesgeschäftsführerin der Jusos Brandenburg, 2009 - 2018 Vorsitzendes eines SPD-Ortsvereins (ehrenamtlich), 2008 - 2021 Mitglied des Stadtrates (ehrenamtlich), seit 2015 Vorsitzende des Gremiums

       

Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

Montag bis Freitag:
8:30 bis 13:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr

Ihr Feedback

Schreiben Sie uns!

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.Weitere Informationen