Sie hat sich in der Corona-Zeit infiziert. Seitdem steigt ihr Fieber immer weiter an. Nunmehr fünf Jahre schon führt Dr. Inka Krude in ihrer Bochumer Apotheke Impfungen durch – und zwar von Jahr zu Jahr mehr.
Während der Pandemie hat sie als pharmazeutische Leiterin im Impfzentrum Bochum Verantwortung übernommen und mitgearbeitet. Wenn am Abend eines langen Impftages noch Impfdosen übrigen waren, dann hat sie sich darum gekümmert, dass das damals so knappe und wertvolle Vakzin noch irgendwie an Menschen verimpft werden konnte, die dringend auf einen Termin warteten.
„Eine Revolution“ ist das Impfen für sie nicht nur in der Pandemie gewesen: „Je mehr wir impfen, desto mehr Leben können wir retten, desto mehr Leid verhindern. Je mehr wir impfen, desto weniger Erkrankungen haben wir und damit desto weniger Schäden in unserer Gesellschaft und Volkswirtschaft.“ Corona habe seinen Schrecken verloren, Polio sei mittlerweile nahezu ausgerottet, zählt sie Erfolge auf und fügt hinzu: „Impfen ist magic.“
Im Jahr 2025 hat Dr. Inka Krude mit ihrem Team in der Alten Apotheke 1691 mehr als 3.000 Impfungen durchgeführt, gegen Grippe und Corona. Im Oktober 2025 hat sie zum Start der Influenzasaison Impfungen von 8 Uhr morgens bis 19 Uhr abends angeboten, an den Samstagen von 10 bis 18 Uhr. Acht Apothekerinnen und Apotheker impfen in der Alten Apotheke 1691 mit, darunter insbesondere die Chefin selbst: „Alles andere lasse ich gerade zum Beginn der Grippesaison liegen oder arbeite es spätabends und am Wochenende ab“, sagt sie. Während sie oder eine Kollegin die Impfungen setzen, übernehmen mehrere Mitarbeiter die vor- und nachbereitenden Arbeiten sowie die Dokumentation.
Der Impfprozess ist in der Alten Apotheke 1691 mittlerweile perfekt durchorganisiert, die Abläufe sind hervorragend eingespielt. Von Jahr zu Jahr hat sich das Team gesteigert: Vor zwei Jahren noch, in der Saison 2023/2024, waren es in der Alten Apotheke 1691 nur halb so viele Impfungen wie im vergangenen Jahr. Von Null auf Hundert – das funktioniere nicht, so Dr. Inka Krude. „Zeit, Zeit, Zeit“ müsse jeder investieren, der mit dem Impfen beginnen wolle. Gerade anfangs dürften die Termine nicht zu eng getaktet sein, „sonst kann das Team keine Freude an der neuen Aufgabe gewinnen“, lautet ihr Rat an alle Impfneulinge. Wenn es aber gelinge, Begeisterung fürs Impfen zu wecken, dann sei die zusätzliche Leistung ein hervorragendes Mittel, Mitarbeiter und auch Kunden zu gewinnen und zu binden.
Mehr Zeit wird auch sie einplanen, wenn sie demnächst die Impfungen gegen weitere Indikationen anbieten kann, zum Beispiel gegen FSME, Pneumokokken, Keuchhusten – kurzum gegen alle Erkrankungen, bei denen Nicht-Lebendimpfstoffe eingesetzt werden. Dr. Inka Krude wartet nur darauf, dass Mustercurricula entwickelt, Schulungen angeboten und die Vertragsverhandlungen mit dem Spitzenverband der Krankenkassen abgeschlossen sind, dann wird sie starten. Doch ihr ist klar, dass es ein wenig brauchen wird, bis Impf-Schemata und Empfehlungen der Ständigen Impfkommission so verinnerlicht sind, dass der Prozess optimal läuft.
Woher aber die Zeit nehmen, wenn es doch kaum genügend Fachkräfte gibt? „Genau prüfen, welche der Leistungen, die die Apotheke bislang erbringt, nicht zwingend notwendig und unwirtschaftlich sind“, so Dr. Inka Krude. Das Impfen nämlich könne bei einer entsprechenden Skalierung durchaus wirtschaftlich sein – erst recht jetzt, wo es mit der Apothekenreform deutlich ausgeweitet worden ist. Impfen sei damit nicht mehr nur ein kurzfristiges Saisongeschäft, für das die Prozesse jeden Herbst hochgefahren werden müssten, sondern nun eine kontinuierliche Ganzjahresaufgabe.
Und impfen dürfen künftig nicht mehr allein die Apothekerinnen und Apotheker, sondern auch pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten. In der Alten Apotheke 1691 freuen sich die PTA schon auf die neue Aufgabe. Insbesondere diejenigen, die schon seit vielen Jahren im Beruf sind, sehen hier eine neue Entwicklungsmöglichkeit. Dr. Inka Krude hat sich also nicht nur selbst infiziert – sondern steckt auch andere an.
Übrigens nicht nur in ihrer eigenen Apotheke: Am 13.03.2027 wird sie beim AVWL-Impfkongress in Münster aus ihrem Alltag berichten und dazu referieren, wie der Impfprozess am besten zu organisieren ist. So will Dr. Inka Krude das Fieber weitergeben.
Termin: Samstag, 13.03.2027, 10.00 Uhr –17.00 Uhr
Ort: Messe und Congress Centrum Halle Münsterland
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