Morgens Schule, nachmittags lernen – und dann auch noch jobben ... Klingt anstrengend? Eher im Gegenteil, findet Aya Schubert. Denn der Nebenjob in der Apotheke hat ihr manche Stunde Büffeln erspart.
Aya Schubert will pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) werden. Die Berufsfachschule in Paderborn hat sie im August abgeschlossen. Jetzt absolviert sie in der Medicum-Apotheke in Detmold den praktischen Teil der Ausbildung, also genau in der Apotheke, in der sie auch in den vergangenen zwei Jahren bereits neun Stunden pro Woche gejobbt hat. Denn Aya Schubert hat am Projekt PTA-Patenschaft teilgenommen: Dieses ermöglicht es Schülerinnen und Schülern, schon frühzeitig neben der Schule für ein paar Stunden pro Monat in ihrer Patenschaftsapotheke mitzuarbeiten und so nicht nur nebenbei Geld zu verdienen, sondern auch Einblicke in den Berufsalltag zu bekommen.
Denn während andere Auszubildende Vollzeit im Betrieb bzw. dem Berufskolleg lernen und dafür auch eine Vergütung erhalten, besuchen angehende PTA in den ersten beiden Ausbildungsjahren eine Berufsfachschule. Diesen kurzfristigen „Nachteil“, kein Geld in der Lehre zu verdienen, wolle man mit dem Patenschaftsprojekt ausgleichen, erklärt Christian Schmidt, Inhaber der Medicum-Apotheke, Vorsitzender der Bezirksgruppe Lippe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) und auch noch im Verein PTA-Fachschule Westfalen-Lippe engagiert, dem Träger der Paderborner Einrichtung. Viele Schüler seien auf einen Nebenverdienst angewiesen. „Warum aber sollen sie im Supermarkt oder der Kneipe arbeiten, wenn sie doch in der Apotheke Berufserfahrung sammeln und ihr Wissen vertiefen können?“, fragt Schmidt.
Genau darin sieht auch Aya Schubert den großen Mehrwert des Patenschaftsprojektes. Egal, ob Arzneimittelkunde, -herstellung oder EDV: „Vieles von dem, was in der Schule drankam, hatte ich zuvor schon hier in der Apotheke kennengelernt.“ Und was ihr neu war, konnte sie später in der Praxis vertiefen.
Zu ihren Hauptaufgaben in der Apotheke gehörte die Warenwirtschaft, also das Auffüllen der Regale, das Bestücken des großen Lagerautomaten, das Bestellen von Ware und auch die Pflege der Inventurlisten. „So hatte ich all die Medikamente, die wir in der Schule in Arzneimittelkunde durchgenommen haben, vor Augen“, schildert Aya Schubert den Vorteil. Sorgen, das Schulpensum nicht zu schaffen, weil man obendrein noch arbeitet, hält sie daher für unberechtigt.
„Wir haben immer geguckt, welche Themen gerade im Unterricht anstehen, um dann hier in der Apotheke passende Aufgaben zu suchen“, ergänzt Christian Schmidt. So hat Aya Schubert auch im Labor bei der Herstellung von Salben und anderen Arzneimitteln assistiert. Einmal pro Woche haben sich Mitarbeiter des Teams mit ihr zusammengesetzt, um über den Schulstoff zu sprechen. Als es dann auf die Prüfungen zuging und Aya Schubert für die Klausuren lernte, da konnte sie kurzerhand ihre Apotheken-Kollegen anrufen, die ihr bei noch offenen Fragen halfen.
„Eine Patenschülerin ist eine Entlastung und Unterstützung für das Team“, sagt Christian Schmidt und fügt hinzu: „Aber natürlich auch eine Verantwortung und manchmal ein bisschen Aufwand. Doch der zahlt sich aus, denn nun haben wir eine Praktikantin und demnächst eine Mitarbeiterin, die wir nicht mehr lange einarbeiten müssen, die das Team sehr gut kennt und die hervorragend qualifiziert ist“, sagt er.
Im Übrigen lerne auch die Apotheke vom Patenkind: „Egal ob Patenschüler, Praktikant oder Pharmazeut im Praktikum: Berufsanfänger stellen Fragen und hinterfragen vieles, gerade unsere organisatorischen Abläufe hier in der Apotheke“, sagt Christian Schmidt. „Das ist für den Betrieb sehr bereichernd.“
Vor allem aber hat er durch dieses Engagement in Zeiten des Fachkräftemangels eine weitere Fachkraft für die Apotheke vor Ort begeistern können: Am meisten Spaß gemacht hat Aya Schubert in ihrer Patenschülerzeit der Kontakt zu den Kunden. Nachdem sie gut eingearbeitet war, gehörte es zu ihrer Aufgabe, Telefonate anzunehmen. Viele Kunden rufen nämlich zunächst in der Apotheke an, um zu fragen, ob ihr Arzneimittel am Lager ist oder erst bestellt werden muss. Weil ihr dieser Kontakt zu den Menschen so viel Freude bereitet hat, wusste sie schnell, dass sie den richtigen Beruf gefunden hat. Denn auf Menschen zugehen und ihnen helfen – das macht den PTA-Beruf aus. Auch das sehen Aya Schubert und Christian Schmidt als großen Vorteil des Patenprojektes: „Kein Praxisschock am Ende der Schulzeit, sondern viel Motivation in der Ausbildung. Denn so erlebt man, wofür man den Schulstoff lernt.“ Ein Nebenjob im PTA-Patenschaftsprojekt macht sich also mehr als bezahlt.
Das Projekt PTA-Patenschaft ist vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg initiiert worden. Der AVWL beteiligt sich seit Herbst 2025 daran.
Die PTA-Patenschaft ermöglicht Apothekenleitern, angehende PTA bereits wäh-rend ihrer zweijährigen schulischen Ausbildung durch eine Patenschaft inhaltlich, fachlich und finanziell zu unterstützen, somit für die Apotheke vor Ort zu begeistern, an den eigenen Betrieb zu binden und dem Nachwuchsmangel aktiv etwas entgegenzusetzen.
Der Ablauf ist unkompliziert. Alle Infos, wie sich Apotheken registrieren, eine Annonce aufgeben können, wie Schüler eine Patenschaftsapotheke finden und sich dort bewerben, sind neben Antworten auf weitere Fragen auf der Seite https://www.pta-patenschaft.de/ zu finden.
© Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V. | 2026