Was Hänschen lernt, verlernt Hans immer mehr. Mehr als 90 Prozent aller Babys sind gegen lebensgefährliche Erkrankungen geimpft. Erwachsene hingegen sind zunehmend impfmüde. Beispiel Virus-Grippe: In der Saison 2024/25 ist die Impf-Quote bei Menschen ab 60 Jahren auf den niedrigsten Stand seit 17 Jahren gesunken. Sie liegt laut Robert-Koch-Institut bundesweit wie auch in NRW gerade einmal bei 34 Prozent. Im Märkischen Kreis sind es sogar lediglich 29 Prozent. Weltgesundheitsorganisation und Europäische Union haben hingegen eine Quote von 75 Prozent als Ziel ausgegeben.
„Die Virus-Grippe ist keine harmlose Erkrankung, sondern kann sehr schwer verlaufen. Jedes Jahr verursacht sie in Deutschland Tausende Todesfälle. Deshalb bitten wir die Menschen ganz dringend: Lassen Sie sich impfen, wenn Sie 60 Jahre und älter sind oder an einer chronischen Erkrankung leiden. Jetzt im Oktober und November ist die beste Zeit dafür“, sagt Jörg Lehmann, Vorsitzender der Bezirksgruppe südlicher Märkischer Kreis im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL).
„Neben Arztpraxen bieten Apotheken in Westfalen-Lippe Impfungen an, oft auch in Randzeiten wie am Freitagnach- oder Samstagvormittag.“ Zudem gebe es in vielen Impf-Apotheken am 12. November 2026 bei der diesjährigen langen Nacht des Impfens wieder Termine bis in den späten Abend hinein. Die Aktion sei in den vergangenen Jahren auf eine sehr große Resonanz gestoßen, sagt Jörg Lehmann. „Die Apotheken informieren mit Aushängen, ob Sie impfen und ob sie sich an der langen Nacht beteiligen.“
„Denken Sie bitte auch daran, dass Sie durch eine Impfung nicht nur sich selbst schützen, sondern auch andere Menschen, die nicht geimpft werden können oder bei denen die Impfung nicht die volle Wirkung entfalten kann“, so Jörg Lehmann. Zudem schütze jeder Geimpfte das Gesundheitssystem wie auch die Gesellschaft. Denn die saisonale Grippewelle führe jedes Jahr zu Millionen von Arztbesuchen, Tausenden von Klinikaufenthalten und langen Krankschreibungen. „Wer sich impfen lässt, entlastet also die Volkswirtschaft und das Gesundheitssystem. In Zeiten, in denen wir über schmerzhafte Reformen diskutieren, um zu verhindern, dass Krankenkassenbeiträge weiter steigen, sollte dies jeder bedenken.“
Bisher ist es speziell geschulten Apothekerinnen und Apothekern lediglich erlaubt gewesen, Menschen gegen Grippe und Covid-19 zu impfen. Die Leistung ist freiwillig. Gut 20 Prozent der Apotheken in Westfalen-Lippe bieten Impfungen an.
Mit der jüngsten Apothekenreform haben Apotheken die Möglichkeit, Erwachsenen auf Wunsch alle sogenannten Nicht-Lebendimpfstoffe zu verabreichen. Das sind Impfungen, die keine vermehrungsfähigen Erreger enthalten, aber dennoch eine Immunreaktion im Körper auslösen. Beispiele sind Impfstoffe gegen Keuchhusten, Pneumokokken, Tetanus, FSME und viele andere mehr.
Bevor die Apotheken allerdings die neuen Impfungen anbieten können, muss das Personal geschult werden, die nötigen Kapazitäten geschaffen und Verträge mit den Krankenkassen abgeschlossen werden. Dies alles kann noch ein paar Wochen dauern.
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