Diesmal war es nur der Montag. In Zukunft aber könnten noch mehr Apotheken dauerhaft geschlossen bleiben. Um auf diese Gefahr hinzuweisen, haben sich die allermeisten Apotheken in Westfalen-Lippe (ca. 70 Prozent) dem bundesweiten Protesttag angeschlossen und am 23. März nicht geöffnet. Weitere Apotheken haben den Protest in anderer Form unterstützt. Viele der protestierenden Apothekenteams beteiligten sich an den zentralen Kundgebungen insbesondere in Düsseldorf und auch Hannover, aber auch in Berlin und München fanden zentrale Demonstrationen und Aktionen mit vielen Tausend Teilnehmern statt.
Wegen der chronischen Unterfinanzierung müssen jedes Jahr Hunderte Apotheken schließen. Seit 2013 sind rund 20 Prozent aller Apotheken für immer vom Versorgungsnetz gegangen. Für die Menschen in den Städten und auf dem Land verlängern sich somit die Wege zur nächsten Apotheke. Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – ABDA und Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, schilderte die riskante Entwicklung der vergangenen Jahre bei der Kundgebung in Düsseldorf. Er forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken deshalb auf, nun den Koalitionsvertrag umzusetzen und das Apothekenhonorar endlich zu erhöhen.
Denn dieses gesetzlich geregelte Honorar ist in den vergangenen 20 Jahren nur ein einziges Mal geringfügig angepasst worden: im Jahr 2013 um 3 Prozent. Seitdem aber sind Personal- und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen. Allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren habe eine durchschnittliche Apotheke aufgrund der Tarif- und Mindestlohnerhöhungen zusätzliche Personalkosten in Höhe von 30.000 Euro gehabt. „Wie soll das alles finanziert werden, wenn es keine Erhöhung des Apothekenhonorars gibt?“, fragte Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) und zugleich Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Deutscher Apotheken bei der Düsseldorfer Kundgebung vor. „Wir brauchen diese Honoraranpassung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn sie haben für ihre Leistungen ein angemessenes Gehalt verdient“, so Rochell am Rande der Veranstaltung.
Vor allem aber sei die Honoraranpassung erforderlich, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu sichern, so Rochell. „In Zeiten des demografischen Wandels, zunehmender internationaler Konflikte und Naturkatastrophen brauchen wir ein dezentrales Apothekennetz. Dieses ist übrigens keine finanzielle Belastung im Gesundheitssystem, sondern trägt im Gegenteil dazu bei, Kosten einzudämmen.“ Die Apotheken seien für die Menschen mit ihren Gesundheitsfragen niedrigschwellig erreichbar und böten zudem viele Präventions- und Beratungsleistungen. „So werden Folgeerkrankungen, unnötige Arzt- und Notdienstbesuche sowie Krankenhausaufenthalte und vorzeitige Pflegebedürftigkeit vermieden.“ Dies habe auch die Bundespolitik klar erkannt und wolle den Apotheken nun mehr Aufgaben übertragen. „Umso kurioser ist, dass die Regierung bislang nichts unternommen hat, die Apotheken zu stabilisieren“, so Rochell. Eines sei gewiss: „Wer die Apotheken kaputtspart, macht die Versorgung am Ende teurer. Deshalb, liebe Politik, wird es nun allerhöchste Zeit!“
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