20 Jahre lang war Jeannette Hübner ohne Führerschein unterwegs. Nicht nur unfallfrei, sondern erfolgreich. Seit 2005 leitet die Pharmazeutin verschiedene Filialen im Verbund „Apotheke Johannstadt“ in Dresden, seit 2016 die Apotheke im Gesundheitszentrum Dresden-Klotzsche. Der Betrieb läuft gut – und dennoch hat Jeannette Hübner nun den „Führerschein für Filialleitungen“ absolviert.
Die Seminarreihe vermittelt Apothekerinnen und Apothekern in sechs Tagesveranstaltungen Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und des Steuerrechts, des Arbeitsrechts und der Personalführung. Auch Einkauf und Warenlagermanagement sowie Kundenorientierung sind Themen. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) bietet den Filialleitungs-Führerschein, der von Marcella Jung und der Jung-Akademie entwickelt worden ist, ab Juni dieses Jahres an.
Jeannette Hübner hat die Seminarreihe bereits im vergangenen Jahr in Sachsen absolviert. Der Führerschein biete nicht nur einen kompakten Gesamtüberblick zu allen betriebswirtschaftlichen Fragen, sondern auch die Möglichkeit, ihre seit 20 Jahren eingespielten Betriebsabläufe noch einmal zu prüfen und zu optimieren. „Die Seminarreihe gibt mir Orientierung, wo ich stehe: Was mache ich gut und wo kann ich mich weiterentwickeln?“, bestätigt Enrike Schecker. Auch sie hat bereits mehrere Jahre Erfahrung als Filialleiterin. Seit 2021 führt sie die Ösper Apotheke in Petershagen. Derzeit absolviert sie in Niedersachsen den Führerschein.
Jeannette Hübner zum Beispiel hat nach der Fortbildung die Organisationsabläufe in der Apotheke umgestellt: Früher fand alle paar Wochen eine Dienstbesprechung mit dem Team statt. Heute gibt es jeden Morgen ein Update. Für die interne Kommunikation nutzt Hübner eine Teamsoftware, damit alle Mitarbeiter auf dem aktuellen Informationsstand sind: Wer ist an diesem Tag im Handverkauf, wer kümmert sich um die Warenwirtschaft? Welche neuen Infos gibt es vom Apothekerverband, über die alle Mitarbeitenden Bescheid wissen müssen, auch diejenigen, die an diesem Tag nicht anwesend sind? „Und falls es einmal im Team knirscht, dann räumen wir das morgens sofort aus“, sagt Jeannette Hübner. Kommunikation im Team, mit dem Inhaber und mit den Kunden spiele in der Se-minarreihe eine große Rolle.
„Nach jedem Seminartag habe ich mich mit meiner Chefin zusammengesetzt und besprochen, was wir in der Filiale umsetzen möchten“, berichtet Enrike Schecker. Egal ob Personalführung, Warenlager, Einkauf oder Kundenansprache – die Seminarreihe habe ihr in jedem Gebiet gezeigt, an welchen Stellschrauben sie drehen könne, um die Filiale noch besser zu führen. „Der Führerschein bietet eine gute Gesamtorientierung – genau die hatte ich mir davon erhofft“, so Enrike Schecker.
Er bringt aber auch Spaß: „Die Atmosphäre ist sehr gut. Es gibt nicht nur Theorie, sondern viel Gruppenarbeit, Diskussionen, praxisbezogene Trainings“, berichtet Jeannette Hübner. Sechs ganze Tage haben im Falle von Jeannette Hübner und Enrike Schecker die Teilnehmer zusammengeschweißt. „Wir haben uns alle in derselben Unterkunft einquartiert, um uns am Ende der Seminartage noch auszutauschen“, berichtet Enrike Schecker. So sind Netzwerke entstanden, über die sich die beiden auch abseits der Seminartermine austauschen, wenn sie eine Kollegenmeinung brauchen.
Der Führerschein sei nicht nur für Anfänger in der Filialleitung eine große Starthilfe, ist Jeannette Hübner überzeugt. Nach 20 Jahren in der eingefahrenen Spur, habe ihr die Seminarreihe neue Wege aufgezeigt, sagt sie. „Man gewinnt frische Ideen und sortiert sich wieder neu.“
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