Ein Fixum von 9,50 Euro, zeitnah und nicht gestaffelt, sondern am Stück. Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat nun im Gespräch mit Apothekerinnen und Apothekern im Kreis Minden-Lübbecke versichert, dass die Parlamentarier zu der Vereinbarung des Koalitionsvertrages stehen.
Das Gespräch mit den zumeist jungen Inhabern hatte Dr. Oliver Vogt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Minden-Lübbecke und Mitglied im Haushalts- und Verteidigungsausschuss, vermittelt. „Derzeit ist in der Gesundheitspolitik viel im Fluss. Deshalb bringen Sie bitte vor, was sie bewegt“, ermunterte Vogt. Auf Apothekerseite waren dabei: Manuela Schier, Vorsitzende der Bezirksgruppe Minden-Lübbecke im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), Kreisvertrauensapothekerin Sandra Haas, Lukas Adam, Lukas Brand, Sina Buhrmester, Julia Diestelhorst, Sonja Niemann, Lennart Schuster und Bernadette Stange. Neun Apothekerinnen und Apotheker mit einer großen Bandbreite von Leistungen wie Impfungen, Substitutionsversorgung, Zytostatikaherstellung, Heimversorgung, Verblisterung, individuelle Rezepturen insbesondere für Kinder. „Apotheken vor Ort sind gerade für die Versorgung der Allerschwächsten unverzichtbar“, so Lukas Brand.
Nachdem erst kurz zuvor Informationen aus dem Bundesgesundheitsministerium öffentlich geworden waren, dass die Vergütung der Apotheken gestaffelt erhöht werden soll, versicherte Borchardt, dass die Bundestagsabgeordneten der Koalitionsparteien nicht hinter dieser Idee stünden. Zwar entscheidet die Bundesregierung – nicht das Parlament – per Verordnung über die Erhöhung. Borchardt jedoch erläuterte, dass über die Änderung der Arzneimittelpreisverordnung und das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das kurz vor der Verabschiedung steht, gekoppelt beraten werde. Und das Gesetz wiederum brauche die Mehrheit im Parlament. Borchardt machte ganz klar: „Wenn das Fixum nicht erhöht wird, dann kommt das ApoVWG nicht.“
Kritisch sieht die gesundheitspolitische Sprecherin auch die geplante Erhöhung des Zwangsrabattes für die Krankenkassen um 30 Cent, die im Kabinettsentwurf für das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehen ist. Es sei ihr Wunsch, dies wieder aus dem Entwurf her-aus zu verhandeln. Denn während in andere Bereiche in den vergangenen Jahren viel Geld geflossen sei, seien die Apotheken von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt worden. Deshalb dürfe man nun nicht alle Bereiche gleichermaßen mit dem Rasenmäher kürzen. Borchardt schränkte aber ein, dass an anderer Stelle Einsparpotenzial in gleicher Höhe gefunden werden müsse, wenn man den Abschlag doch nicht erhöhe.
Borchardt informierte nicht nur über den Stand der Beratungen, sondern nutzte den Austausch auch, um ganz persönliche Einblicke in die aktuellen Herausforderungen von den Apothekerinnen und Apothekern zu bekommen. Wie zum Beispiel von Lukas Adam, der sich vor zweieinhalb Jahren im Alter von 27 in Bad Oeynhausen selbstständig gemacht hat. Kaum, dass er den Kredit aufgenommen hatte, fällte jedoch der Bundesgerichtshof sein Skonti-Urteil. Damit verlor Adam drei Prozent seines Er-trages. Nun droht die Vergütung durch die Erhöhung des Kassenabschlags erneut reduziert zu werden.
Mittlerweile gibt es im Kreis Minden-Lübbecke noch 64 Apotheken – ein Viertel weniger als noch vor 20 Jahren. Weitere Schließungen seien durch die verbleibenden Apotheken nur schwer aufzufangen. Er habe bereits eine große Apotheke mit fünf Kassenplätzen, so Lukas Adam. „Im Winter in der Erkältungssaison kommen wir damit nicht hin. Mehr geht aber an diesem Standort nicht. Dann müsste ich andernorts ganz neu anfangen – und dieses Risiko ist nicht kalkulierbar.“
Einen neuen Standort eröffnet hat Sonja Niemann, die im Alter von Anfang 50 vor 2,5 Jahren mit ihrer Apotheke umgezogen ist, um sich „zukunftsweisend aufzustellen“ und gerade auf dem Land die Versorgung der Menschen sicher zu stellen. Ebenso hat Manuela Schier im gleichen Alter im vergan-genen Jahr, nachdem die neue Regierung im Amt war, ihre Apotheke komplett umgebaut, insbesondere ein Beratungszimmer eingerichtet, um all die Leistungen zu erbringen, die die Politik den Apotheken übertragen hat und noch übertragen will – zum Beispiel mit dem ApoVWG.
Nun wird in Berlin schon an neuen Gesetzen gearbeitet, um das Potenzial der Apotheken vor Ort besser auszuschöpfen. Im Herbst stehen die Beratungen über ein Primärversorgungsgesetz an. Vorgesehen ist, dass in den Apotheken dann auch strukturierte Ersteinschätzungsverfahren vorgenommen werden. Die fehlende Planbarkeit politischer Entscheidungen mache es aber sehr schwierig, Apotheken weiterzuentwickeln und zu investieren, betonen Niemann und Schier. Nicht nur im Sinne der Apotheken: „Wir möchten, dass die Menschen gut versorgt werden, gerade auf dem Land“, so Sonja Niemann. „Aber wir wissen einfach nicht mehr, wohin die Reise der Politik mit uns geht.“
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