Die Apotheken vor Ort befinden sich in einer Umbruchsituation. Der Gesetzgeber weist ihnen eine bedeutende Rolle als Gesundheitsversorger zu. Welche Chancen dies für Existenzgründer eröffnet, das erläutert Suzana Upmann, Vertriebsleiterin der NOWEDA am Standort Münster, im Interview. Die NOWEDA ist neben der Treuhand Hannover, apoBank, Apothekerkammer und Apothekerverband Westfalen-Lippe einer der Kooperationspartner, die am 06.10.2026 in Münster einen Existenzgründungsworkshop veranstaltet.
Können Sie jungen Pharmazeuten heute noch empfehlen, sich mit der eigenen Apotheke selbstständig zu machen? Suzana Upmann: Auf den ersten Blick erscheint die Selbstständigkeit nicht mehr so attraktiv wie noch vor einigen Jahren. Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken ist angespannt, hinzu kommt eine überbordende Bürokratie. Inhaber, die eigentlich längst im Ruhestand sein wollten, führen ihre Apotheke weiter, weil sie keinen Nachfolger finden. Umso bitterer ist es für sie, wenn sie die Apotheke dann schließen müssen. Die Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden. Aber: Wir erleben gerade eine Umbruchsituation. Der Gesetzgeber weist den Apotheken erstmals eine bedeutende Rolle als Gesundheitsversorger zu. Prävention und Primärversorgung sind die Stichworte. Dadurch ergeben sich für Apotheken neue Perspektiven und Einkommensmöglichkeiten. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass sich Selbstständigkeit auch weiterhin lohnt.
Der Gesetzgeber hat gerade eine Apothekenreform verabschiedet und damit die Apotheken mit neuen Leistungen wie zusätzlichen Impfungen, aber auch verschiedenen Dienstleistungen beauftragt. Welche Chance bietet diese Reform? Upmann: Die Kompetenzen der Apotheker werden endlich in Gänze anerkannt. Das bedeutet, dass Apotheken nicht nur mehr Leistungen anbieten, sondern sich auch spezialisieren können. Gerade für junge Pharmazeuten kann das eine zusätzliche Motivation für eine Übernahme sein. Dabei spielen die Lage, das Umfeld und persönliche Interessen eine Rolle. Während einige Apotheken in Regionen mit Ärztemangel durch ihre Leistungen die hausärztliche Versorgung unterstützen oder die Akutversorgung bei Erkältungskrankheiten übernehmen, können sich andere auf die Prävention konzentrieren und so neue Zielgruppen erschließen. Gerade Testungen und venöse Blutentnahmen bieten Apotheken große Chancen.
Neue Aufgaben und Möglichkeiten sind das eine, die Honorierung der Apotheken das andere … Upmann: Das ist richtig. Im Zuge der Apothekenreform wird die packungsbezogene Vergütung nach mehr als 13 Jahren Stagnation endlich wieder angehoben. Zudem werden Deutscher Apothekerverband und Krankenkassen künftig über die Vergütung verhandeln, sodass es nicht wieder zu einem jahrelangen Stillstand kommen dürfte. Auf der anderen Seite werden mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und der geplanten Erhöhung des Kassenabschlages diese Möglichkeiten wieder ein Stück weit zurückgenommen. Das ist schon eine dicke Kröte. Aber – auch wenn die Anpassungen der Honorierung den Leistungen der Apotheken immer noch nicht vollständig gerecht wird - bleibt es unter dem Strich eine Erhöhung in Kombination mit den vielen neuen Möglichkeiten im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen.
Wie aber findet man für die eigene Apotheke die richtige Auswahl aus diesen Möglichkeiten? Und wie bewältigt man den gefühlten Berg, vor dem man als Existenzgründer steht? Upmann: Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wer mit dem Gedanken der Selbständigkeit spielt, sollte früh damit anfangen, sich zu informieren und Unterstützungsangebote nutzen wie den Existenzgründungsworkshop am 06.10.2026. In der Zeit danach stehen die Organisatoren – apoBank, Treuhand Hannover, NOWEDA sowie Apothekerkammer und Apothekerverband – beratend zur Seite. Die eigene Apotheke ist für viele Pharmazeuten der große Traum und war oft auch der Grund für die Studienwahl. Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung. Denn gerade zu Beginn wird es auch schwierige Momente und sehr anstrengende Phasen geben.
Warum empfiehlt sich die Teilnahme an dem Existenzgründungsworkshop? Upmann: Gründungsinteressierte bekommen einen ersten Überblick, was alles zu bedenken ist, wann welcher Schritt zu gehen ist und wer einem wie auf dem Weg in die Selbstständigkeit bzw. in den ersten Jahren nach der Gründung helfen kann. Sie können an diesem Tag das gesamte Know-how der Branche anzapfen, bekommen Infos zu rechtlichen Fragen, zur Finanzierung, zu steuerlichen Aspekten, Lagerhaltung und Großhandel. Teilnehmer erhalten auch erste Einblicke in betriebswirtschaftliche Grundlagen, Zahlenwerke und Marktanalysen. Alle Experten sind vor Ort und können interviewt werden. Wenn man die Ansprechpartner erst einmal kennengelernt hat, fällt es auch leichter, im Nachgang sich mit weiteren Fragen an sie zu wenden. Zudem können bei der Veranstaltung „frische“ Existenzgründer nach ihren Erfahrungen und Tipps gefragt sowie Netzwerke mit den anderen Gründungswilligen geknüpft werden, um sich auf dem Weg in die Selbstständigkeit auszutau-schen und gegenseitig zu unterstützen. Die Teilnahme lohnt sich auf jeden Fall.
Tipps und Informationen für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit gibt es beim kosten-freien Workshop Existenzgründung am
in den Räumen des AVWL, Willy-Brand-Weg 11, 48155 Münster.
Veranstalter des Workshops sind die apoBank, NOWEDA, Treuhand Hannover sowie Apothekerkammer und Apothekerverband Westfalen-Lippe.
Hier geht zur Anmeldung: https://www.akwl.de/kurse/suche/?search_text=18806
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