Thomas Rochell, Apotheker aus Beverungen, ist am Pfingstmontag (25. Mai) 60 Jahre alt geworden. Seit dem Jahr 2021 ist er Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL). Der Zeitpunkt der Amtsübernahme inmitten der Legislaturperiode mag damals für einige überraschend gewesen sein, nicht aber die Wahl als solche, denn Thomas Rochell hatte in den Jahren zuvor deutlich gezeigt, dass er für den Posten des Vorstandsvorsitzenden ein mehr als geeigneter Kandidat ist:
Nach dem Studium der Pharmazie in Marburg und einer ersten beruflichen Station in der Industrie ist er seit 1994 Verbandsmitglied, wurde im Jahr 2000 zum Vorsitzenden der Bezirksgruppe Höxter gewählt und ist seit 2003 Teil des siebenköpfigen AVWL-Vorstandes. In dieser Position wurde es zu seiner Aufgabe, die Verhandlungen mit den Krankenkassen auf Landesebene zu führen. Ruhig im Auftreten, lösungsorientiert und verlässlich hat er in den Gesprächen die Interessen der Apotheker vertreten. Übrigens nicht nur gegenüber den Kassen, sondern seit 2022 bis heute auch als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Deutscher Apotheker (ADA) in den Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften.
Fair und respektvoll im Umgang hat er die Achtung seiner Verhandlungspartner gewonnen. Was nicht heißt, dass er im Einzelfall nicht unverrückbar und klar Position bezieht. Hinter rote Linien weicht er nicht zurück: Im Jahr 2021 lehnte es der AVWL beispielsweise ab, mit der AOK Nordwest eine Anschlussvereinbarung zur Inkontinenzversorgung zu treffen, weil zu den von der Kasse angebotenen Konditionen eine menschwürdige Versorgung der Patienten nicht mehr wirtschaftlich darstellbar war.
Konsequent hat Thomas Rochell auch stets die Nullretaxationen als „Griff der Kassen in das Portemonnaie der Apotheken“ gegeißelt und dieses Geschäftsmodell der Krankenversicherungen erfolgreich bekämpft. Im Jahr 2012 ist es in den Verhandlungen über den Arzneilieferungsvertrag mit den Primärkassen in NRW gelungen, unangemessene Nullretaxationen aufgrund von Formfehlern umfangreich auszuschließen. Zu Rechnungskürzungen sind die Primärkassen seitdem nur noch berechtigt, soweit wirtschaftliche Nachteile auszugleichen sind, die bei regelkonformer Belieferung oder Abrechnung nicht entstanden wären. Kürzungen auf null sind auf wenige Ausnahmefälle beschränkt. Es war ein erster wichtiger Schritt hin zu einem bundesweiten Verbot der Nullretaxationen.
Aber nicht nur gegenüber Krankenkassen und anderen Marktpartnern vertritt er klare, manchmal auch unbequeme Positionen. Nicht minder galt und gilt dies für berufspolitische Fragestellungen in den Gremien der ABDA wie des DAV.
Dieser beharrliche und unermüdliche Einsatz für die Sache – und ganz nebenbei die drei eigenen Apothekenbetriebe – ist ihm quasi in die Wiege gelegt. Selbst und ständig kennt Thomas Rochell von zu Hause: Der Vater war Landwirt in Beverungen. Sohn Thomas musste schon in jungen Jahren auf dem Hof anpacken. Wer vom Schützenfest kommend früh morgens die Kühe melken muss, ist auf Unternehmertum und Ehrenamt gut vorbereitet. Und wer aus der Landwirtschaft stammt, weiß auch, was ein Strukturwandel ist und was er für die Betroffenen bedeutet.
Deshalb setzt sich Thomas Rochell für die Fortentwicklung des Apothekerberufes und der Apotheken ein. Gemeinsam mit der AOK NordWest hat er für den AVWL das Modellprojekt Grippeimpfung in Westfalen-Lippe vorangetrieben und gehörte hier im Jahr 2021 auch zu den ersten Apothekerinnen und Apothekern, die selbst impften. Apotheken will er zu Zentren der Primärversorgung und Prävention fortentwickeln – und kämpft doch mit aller Kraft für den Erhalt des apothekerlichen Kerngeschäfts und dessen wirtschaftliche Vergütung.
Dass er sich für das Unternehmen Apotheke in all seinen Facetten stark macht, zeigt sich auch an seinem Engagement rund um das Thema Nachwuchsgewinnung. Exemplarisch sei auf das mehrjährige, noch unter seinem Vorgänger Dr. Klaus Michels initiierte Projekt des Baus einer neuen PTA-Schule in Münster verwiesen: Mit Überzeugung und echter Leidenschaft für die Sache ist es ihm gelungen, das Bauvorhaben wie geplant umzusetzen und ins Ziel zu bringen. Künftigen Generationen steht nun die doppelte Kapazität an zudem bestens ausgestatten Ausbildungsplätzen zur Verfügung. Auch in den eigenen Apotheken hat er den Weg für die kommende Generation geebnet und seinen Neffen Julius Rochell als OHG-Partner für die Betriebe gewonnen.
Die Versuchung ist groß, den Familiennamen Rochell französisch zu artikulieren, mit einem weichen „sch“ in der Mitte und dem Akzent auf der letzten Silbe. Er selbst aber spricht ihn ganz westfälisch aus mit einem rauen „ch“ sowie der Betonung vorn auf dem offenen „o“. Und damit ist schon viel über ihn gesagt: Thomas Rochell ist bodenständig, echt und vor allem unprätentiös. Als Mannschaftsspieler durch und durch versteht er die Vorstandsarbeit als Teamaufgabe. Doch stellt er sich mit Rückgrat und Haltung in die vorderste Linie, wenn einmal unbequeme Entscheidungen zu vertreten sind. Und obendrein hat er auch noch einen großartigen Humor.
Für all das danken ihm das AVWL-Vorstandsteam sowie die Geschäftsstelle sehr und wünschen ihm weiterhin alles Gute, Erfolg und Gesundheit. Für viel Verständnis und viel geopferte gemeinsame Zeit sind sie aber mindestens ebenso seiner Frau Beatrix und seinen drei Töchtern Merle, Lene und Ella zu großem Dank verpflichtet.
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