Bielefeld 30.01.2026
Aktuelles

Bielefelds Oberbürgermeisterin in der Apotheke vor Ort

Hauke Stange hat sich im Jahr 2012 selbstständig gemacht. Damals übernahm er eine Apotheke im Bielefelder Stadtteil Schildesche. Die Apotheke lief gut, „sonst hätte ich diesen Schritt nicht gewagt“, so der Apotheker. Doch rund zehn Jahre später musste er den Standort schließen – aus wirtschaftlichen Gründen.

Heute betreibt Hauke Stange noch eine andere Apotheke in Schildesche: die Adler-Apotheke, die er 2014 übernommen hat. Es ist mittlerweile die letzte im gesamten Stadtteil. Im Jahr 2012, als Hauke Stange sich niederließ, waren es noch vier. 

Hunderte Apothekenschließungen jedes Jahr

Schildesche ist kein Einzelfall. Bundesweit schließen jedes Jahre Hunderte von Apotheken. Über die Ursachen hat sich nun Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer von Hauke Stange informieren lassen, der auch Vorsitzender der Bezirksgruppe Bielefeld im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) ist. Gemeinsam mit dem AVWL-Vorstandsvorsitzenden Thomas Rochell hat er der CDU-Politikerin die wirtschaftliche Lage der Apotheken vor Ort geschildert. Die staatlich geregelte Honorierung der Apotheken vor Ort ist in den vergangenen 20 Jahren nur ein einziges Mal geringfügig angehoben worden: Im Jahr 2013 stieg die Vergütung um 3,1 Prozent. Seitdem aber sind die Personal- und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen. Mittlerweile ist ein Drittel der Apotheken vor Ort massiv wirtschaftlich gefährdet.

Stange und Rochell machen gegenüber Dr. Bauer kein Hehl aus ihrem Unmut über die CDU im Bund: Diese hatte in ihrer Oppositionszeit eine Anhebung der Vergütung gefordert und auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Mittlerweile hat die schwarz-rote Bundesregierung zwar den Gesetzentwurf für eine große Apothekenreform vorgelegt, doch die Honorarerhöhung ist darin nicht vorgesehen, sondern auf unbestimmte Zeit verschoben, wie Stange und Rochell kritisieren. „Mit jedem Tag, den die Politik zögert, stirbt eine weitere Apotheke“, so Rochell.

Schwachstellen der Reform

Aber es ist nicht nur die ausbleibende Honorarerhöhung, die den Apothekern Sorgen macht. Im Gesetzentwurf für die geplante Apothekenreform sehen sie neben einigen Verbesserungen mehrere Schwachstellen, die das Apothekensystem gefährden. Unter anderem ebne der Entwurf den Weg dafür, die Präsenzpflicht der Apotheker abzuschaffen. Apotheken ohne Apotheker könnten aber viele Leistungen nicht erbringen, wie zum Beispiel Impfungen, die Abgabe von starken Schmerzmitteln, die Beantwortung komplexer pharmazeutischer Fragen und die Abgabe von individuell hergestellten Arzneimitteln. So drohe die Versorgung der Patienten verschlechtert zu werden.

Auch weisen die beiden Apotheker auf ein Versäumnis in dem Entwurf hin: So lasse die Politik die Gelegenheit aus, die Arzneimittelpreisbindung rechtlich abzusichern. Diese stehe nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem vergangenen Jahr auf tönernen Füßen. Diese Preisbindung jedoch diene nicht zuletzt dem Verbraucherschutz sowie dem Schutz des Solidarsystems, weil es nicht sein dürfe, dass in Notsituationen und Krisenfällen Preise explodierten bzw. die Patienten Preise vergleichen müssten. Deshalb bitten die Apotheker die Politikerin, darauf hinzuwirken, dass diese Preisbindung rechtlich abgesichert werde. Und dass darüber hinaus Sorge getragen werde, dass sich auch der ausländische Versandhandel an diese Regel halte. 

Verbot des Versandhandels?

Der unfaire Wettbewerb mit immer mehr Versandhändlern ist ebenfalls Gegenstand des Gespräches gewesen. Denn diese Konkurrenz bedeute ein Risiko für die flächendeckende Patientenversorgung. Versandhändler lieferten lediglich einige Arzneimittel, ohne die pharmazeutische Vollversorgung der Patienten zu gewährleisten. Insbesondere leisteten sie keine Nacht- und Notdienste. 

Ein Thema, mit der sich die Oberbürgermeisterin bestens auskennt: Die Juristin hat sich im Rahmen ihrer Promotion mit der Frage befasst, ob ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zulässig wäre. Und sie ist auch heute noch der Überzeugung, dass die Wiedereinführung des Verbots möglich ist, „solange der Versandhandel nicht leisten kann, was die Apotheken können“.

Sie fügt hinzu: „Die Apotheken vor Ort sind ein elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge in einer Kommune.“ Deshalb will sie sich im Bund, Land und im Deutschen Städtetag für diese Versorgung durch die Apotheken einsetzen. Vor Ort in Bielefeld will sie prüfen, wie sie die Apotheken insbesondere im Kampf gegen den Fachkräftemangel unterstützen kann, zum Beispiel bei Überlegungen der Apothekerschaft, einen Standort zur Ausbildung von pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten aufzubauen. Denn selbst wenn die Apotheken weniger werden: Die Arbeit nimmt in einer älter werdenden Gesellschaft zu. Auch in der letzten Apotheke in Schildesche.
 

zur Übersicht

Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

Montag bis Freitag:
8:30 bis 13:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr

Ihr Feedback

Schreiben Sie uns!