Gütersloh 16.01.2026
Aktuelles

„Apotheken müssen auskömmlich finanziert werden“

Kurz vor Weihnachten sind in vielen Apotheken des Kreises Gütersloh die Lichter ausgegangen. Nicht etwa aufgrund eines Stromausfalls, sondern aus Protest. Mit diesem „Versorgungsblackout“ wollten die Apotheken auf ihre schwierige wirtschaftliche Situation aufmerksam machen. Die Aktion ist nur eine von vielen: So haben Apothekerinnen und Apotheker aus dem Kreis Gütersloh zudem den CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus mit einem Brandbrief über die sich weiter zuspitzende Lage informiert – und über ihren Unmut, dass auch die neue unionsgeführte Regierung noch immer nichts zur Konsolidierung der Arzneimittelversorgung unternommen hat. Deshalb hat sich Brinkhaus nun in der Gütersloher Linden-Apotheke über die Gründe für den Protest und die aktuellen Probleme informieren lassen.

Kreisvertrauensapothekerin Claudia Scherrer (Apothekerkammer) und Sven Buttler, Vorsitzender der Bezirksgruppe Gütersloh des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), haben gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Lappe sowie Dr. Olaf Elsner (AVWL-Vorstandsmitglied) den CDU-Politiker über die Ausmaße des anhaltenden Apothekensterbens informiert. So gibt es im Kreis Gütersloh aktuell noch 63 Apotheken. Zehn Jahre zuvor waren es 79. Das bedeutet einen Rückgang von 20 Prozent. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dieser Rückgang weitere Wege bis zur nächsten Apotheke – sowohl im Alltag, aber insbesondere auch bei Notfällen in der Nacht und am Wochenende.

Auf unbestimmte Zeit verschoben

Hauptursache der Schließungen ist die chronische Unterfinanzierung der Apotheken. Deren Honorierung ist staatlich geregelt. Diese Vergütung ist in den vergangenen 20 Jahren von der Politik nur ein einziges Mal um wenige Cent erhöht worden. Das war im Jahr 2013. Seitdem jedoch sind die Betriebsausgaben für Personal und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen. Infolgedessen sind zehn Prozent der Apotheken bundesweit defizitär. Ein Viertel ist wirtschaftlich stark gefährdet.

Zwar haben Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, das Apothekenhonorar zu erhöhen. Doch diese Anpassung der Vergütung ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Ab 2027 sollen die Apotheken dann mit den Krankenkassen über ihr Honorar verhandeln. Das begrüßen die Apothekerinnen und Apotheker grundsätzlich. Die Lösung, die die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf für eine Apothekenreform vorgeschlagen hat, halten sie jedoch nicht für geeignet, die Situation der Apotheken zu verbessern. Unterdessen sterben Hunderte weiterer Apotheken, warnen die vier Pharmazeutinnen und Pharmazeuten den CDU-Politiker und weisen darauf hin, welche Folgen dies für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger hat. Brinkhaus stimmt zu: „Die flächendeckende Notdienstversorgung durch die Apotheken vor Ort muss durch eine auskömmliche Fi-nanzierung gewährleistet werden.“ 

Aber auch in Bezug auf die Versorgungssicherheit in Krisen- und Katastrophenfällen sieht der Bundestagsabgeordnete die Notwendigkeit, dass das flächendeckende Apothekennetz systemrelevant ist und die Apotheken verstärkt in den Katastrophenschutz einbezogen werden. Dafür will er nun auf Kreisebene Brücken bauen.

Die Apothekerinnen und Apotheker informieren den CDU-Politiker auch über einige weitere Konstruktionsfehler, die die geplante Apothekenreform aufweist. Dadurch drohten die Apotheken vor Ort weiter geschwächt und die Versorgung der Patienten verschlechtert zu werden. Hauptkritikpunkt der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten: Der Entwurf ebne den Weg dafür, die Präsenzpflicht der Apotheker abzuschaffen. Apotheken ohne Apotheker könnten aber viele Leistungen nicht erbringen, wie zum Beispiel Impfungen, die Abgabe von starken Schmerzmitteln, die Beant-wortung komplexer pharmazeutischer Fragen und die Abgabe von individuell hergestellten Arz-neimitteln. 

Brinkhaus signalisiert Verständnis für die Sorgen und Bedenken der Apothekerinnen und Apothe-ker und gibt ihnen zum Abschluss des Gesprächs mit auf den Weg, ihre Themen und Anliegen noch viel klarer und geschlossener in die Öffentlichkeit zu tragen.
 

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