Münster 25.02.2026
Aktuelles

Apotheken in Westfalen-Lippe kündigen massive Proteste an

Die Apotheken in Westfalen-Lippe schließen, damit sie auch in Zukunft den Menschen in Krankheit und Notlagen offenstehen. „Wir werden uns den heute angekündigten bundesweiten Protesten anschließen und am Montag, den 23.03.2026, unsere Apotheken schließen, um in Düsseldorf zu demonstrieren“, so Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL). „Wir bitten die Patientinnen und Patienten um Verständnis, dass an diesem und vielleicht auch weiteren Protesttagen die Apotheken in Westfalen-Lippe nicht geöffnet sind. Wir sehen keine andere Möglichkeit mehr, die Politik endlich davon zu überzeugen, dass die Apotheken stabilisiert werden müssen, um das seit Jahren anhaltende Apothekensterben endlich zu beenden.“ In Akutfällen werde die Versorgung am Protesttag durch die notdiensthabenden Apotheken gesichert sein, versichert Rochell.

Zugleich bittet er die Bürgerinnen und Bürger, ihre Apotheken zu unterstützen und eine Online-Petition zu unterzeichnen. Unter www.openpetition.de/!fgpmn könnten sich die Menschen eintragen und damit ein Zeichen für den Erhalt des flächendeckenden Apothekensystems setzen. 

Krisenresilienz gefährdet

Seit mehr als 20 Jahren sei das staatlich geregelte Apothekenhonorar kaum mehr von der Politik erhöht worden – zuletzt habe es im Jahr 2013 eine ganz geringfügige Anpassung von rund 3 Prozent gegeben, erläutert Rochell die Gründe für die Proteste. Seitdem aber seien Personal- und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen. Hinzu komme die Inflation, zunehmende bürokratische Lasten und mehr Arbeitsaufwand etwa durch Lieferengpässe. Mittlerweile sei ein Viertel der Apotheken vor Ort massiv wirtschaftlich gefährdet. Nahezu zehn Prozent arbeiteten defizitär. „Mit jeder Apotheke, die schließt, werden die Wege für Patienten weiter, die Wartezeiten länger und das Leistungsangebot dünner, weil Impfungen und andere Services aufgrund der Arbeitsbelastungen nur eingeschränkt angeboten werden können“, so Rochell.

„In Zeiten des demografischen Wandels und zunehmender weltweiter Krisen brauchen wir aber eher mehr Apotheken und mehr Leistungen als weniger. Und wir brauchen ein verlässliches, stabi-les Netz, das im Falle von Cyberangriffen, Terroranschlägen, Naturkatastrophen und schlimmsten-falls eines Bündnisfalles die Versorgung dezentral sicherstellt.“ Deshalb sei es auch vollkommen widersinnig, die Anforderungen an die Apothekenausstattung – zum Beispiel mit Laboren – wie nun von der Politik geplant aus Spargründen herunterzufahren und damit die Leistungsfähigkeit der Apotheken zu schwächen.

Milchmädchenrechnung

„Das ist eine Milchmädchenrechnung. Wer die Apotheken kaputt spart, macht die Versorgung nur teurer durch Folgeerkrankungen, unnötige Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte.“ Zwar hätten Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, das Apothekenhonorar zu erhöhen. „Doch dieses Versprechen ist bislang nicht erfüllt, sondern auf unbestimmt vertagt worden“, kritisiert der AVWL-Vorstandsvorsitzende. 
Die chronische Unterfinanzierung sei im Übrigen nicht die einzige Bedrohung für die Versorgung: „Die Politik versäumt es weiterhin, die Arzneimittelpreisbindung rechtlich abzusichern. Diese Preisbindung dient dem Verbraucherschutz sowie dem Schutz des Solidarsystems, denn es kann nicht sein, dass Patienten im Krankheitsfall Preise vergleichen müssten und Arzneimittelkosten im Falle von Epidemien, Engpässen und Krisen explodieren. „Dann bekommt unser Gesundheitswesen ein noch größeres Finanzierungsproblem“, so Rochell. 

Die Apotheken protestierten im Interesse ihrer Patientinnen und Patienten, „die wir auch in Zukunft bestmöglich versorgen wollen. Deshalb möchte ich die Bürgerinnen und Bürger noch einmal bitten: Unterstützen Sie uns. Kommen Sie gern mit nach Düsseldorf – und unterschreiben Sie unsere Online-Petition mit der wir die Politik zum Einlenken bewegen wollen.“

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Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

Montag bis Freitag:
8:30 bis 13:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr

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