Münster/Gelsenkirchen 25.07.2019
Aktuelles

„Wir werden gesucht“

In den Apotheken vor Ort herrscht Fachkräftemangel. Auch deshalb geht die Zahl der Apotheken seit Jahren zurück. Warum der Arbeitsplatz Apotheke dennoch eine Zukunft hat und für sie der schönste der Welt ist, erklären in einer kleinen Serie Inhaber, angestellte Apotheker, Studenten, Praktikanten sowie Pharmazeutisch-Technische Assistenten.

Kopfschmerzen? Kennen sie offenbar nicht, auch wenn sie hier in der Übungsapotheke vor dem Regal stehen, in dem Aspirin & Co. gestapelt sind. Die drei lächeln gelassen.

Der letzte Tag, die letzten Stunden sind vorbei. Die Ferien sind da. Das wäre natürlich ein guter Grund zu lächeln. Aber es sind Ferien ohne Reise und Erholung, stattdessen voller Arbeit. Denn nach der freien Zeit stehen die Prüfungen hier an der PTA-Fachschule in Gelsenkirchen an. Es gibt also viel zu lernen. Der Schädel brummt den drei jungen Frauen bei dem Gedanken daran ganz offensichtlich nicht. „Wir werden gesucht“, sagt Pauline Beckmann ruhig. Das mag erklären, warum die drei so entspannt wirken. Wenn sie die Prüfungen an der PTA-Fachschule bestehen, haben Pauline Beckmann (19 Jahre), Regina Kin (21) und Frederike Schniering (20) faktisch eine Jobgarantie. Eine Festanstellung dürfte ihnen sicher sein.

Erwartungen übertroffen
Pharmazeutisch-technische Assistentin – das ist zwar nicht der Beruf gewesen, von dem die drei schon als kleine Mädchen geträumt haben. Aber irgendwie sind sie zum Ende der Schulzeit darauf gestoßen, weil es „etwas im Gesundheitswesen“ werden sollte. Über Berufetests im Internet, auf den guten Rat der Großmutter hin oder weil ein Bekannter der Eltern, ein Apotheker, den Arbeitsplatz empfahl, haben alle drei ein Praktikum gemacht – zunächst mit nicht allzu großen Erwartungen. „Wenn man selbst in die Apotheke geht, dann gibt man ein Rezept ab, die PTA tippt etwas in den Computer, verschwindet mit dem Zettel im Lager und kommt mit einer Tablettenschachtel wieder“, beschreibt Regina Kin aus Herten das Bild, das sie sich vor dem Praktikum von diesem Beruf gemacht hat.

Als sie aber in der Apotheke erlebt hat, „wie intensiv man die Patienten über Krankheiten informieren und sie beraten kann“, da war Pauline Beckmann aus Olfen überzeugt. Da ist für sie die Entscheidung gefallen, sagt sie. Nachdem sie in der Rezeptur eine Creme herstellen durfte und im Labor Stoffe prüfen, da hat sich Frederike Schniering aus Gladbeck an der PTA-Fachschule Gelsenkirchen angemeldet. „Ich hatte gar nicht erwartet, wie viel hinter diesem Beruf steckt, wie vielfältig er ist“, blickt Regina Kin auf ihr Praktikum zurück.

Ebenso vielfältig sind die vergangenen beiden Jahre an der PTA-Fachschule gewesen. Mathematik, Botanik, Drogenkunde haben unter anderem auf dem Stundenplan gestanden. „Arzneimittelkunde“, lautet die Antwort aller drei Absolventinnen nach dem Lieblingsfach, weil man da die Grundlagen für die Beratung lerne, begründet Pauline Beckmann. Chemie und Gesetzeskunde dagegen „sind schon sehr trocken“, so die drei. „Aber man merkt in jedem Fach, wie wichtig es ist und dass man einfach nichts davon weglassen kann“, sagt Regina Kin.  

Familienfreundlich und zukunftsfest
Sie fühlen sich nun gut vorbereitet auf die Prüfungen. Sorge, dass sie nicht bestehen könnten, haben sie nicht – auch, weil sie in den vergangenen beiden Jahren viel gearbeitet haben. „Der Stoff ist nicht besonders schwierig“, versichert Pauline Beckmann, „aber man muss schon ziemlich fleißig sein.“ Jeden Nachmittag nach der Schule und an den Wochenenden habe sie in den vergangenen beiden Jahren gelernt.

Wenn sie nicht gebüffelt haben, haben sie gejobbt, um sich das Schulgeld zu verdienen. 8,5 Stunden jede Woche hat Pauline Beckmann in einer Apotheke mitgeholfen. In der Kneipe und im Familienbetrieb haben Frederike Schniering und Regina Kin gearbeitet, um die Ausbildung zu finanzieren. Ein großes Vermögen werden sie später in diesem Beruf nicht verdienen. „Aber das ist nun einmal – trotz der großen Verantwortung - in allen Gesundheitsberufen so“, sagt Pauline Beckmann. 

Dafür sei der Beruf familienfreundlich – auch als Teilzeitkraft werde man noch händeringend gesucht, erläutert sie die Vorzüge. Zudem sehen sie sich selbst gut aufgestellt. „Wir haben hier viel Grundwissen gelernt“, sagt Frederike Schniering, „das wir notfalls auch in anderen Branchen gut anwenden könnten.“ Sie sind aber überzeugt, dass der Job eine gute Zukunft hat. Auch wenn die Konkurrenz der Versandhändler steigt: Mit guter Beratung werden sich ihrer Meinung nach die Vor-Ort-Apotheken durchsetzen. 

Kopfschmerzen haben sie, wie gesagt, nicht.

  • Die Ausbildung einer PTA dauert in der Regel 2,5 Jahre – davon 2 Jahre an einer staatlich anerkannten PTA-Fachschule und bisher ein halbes Jahr Praktikum in einer Apotheke. Voraussetzung ist die mittlere Reife. 
  • PTA-Fachschulen gibt es in Westfalen-Lippe zum Beispiel in Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Paderborn und Siegen.
  • Das Schulgeld wird derzeit zu 70 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen. 30 Prozent müssen die Schülerinnen und Schüler selbst bezahlen. An den PTA-Fachschulen Westfalen-Lippe in Gelsenkirchen Catrop-Rauxel, Paderborn und Siegen sind das derzeit 88,50 Euro im ersten Schuljahr und 58,50 Euro im zweiten.
  • Die Gesundheitsminister der Länder wollen dieses Schulgeld ganz abschaffen und drängen auf eine Finanzierung durch den Bund.
  • Dieses Schulgeld deckt im Übrigen nur einen Teil der Kosten. Apothekerverband und Apothekerkammer Westfalen-Lippe sowie Kommunen tragen einen weiteren Teil bei.
  • Für ausgebildete PTA gibt es neben der öffentlichen Apotheke eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern: Krankenhausapotheken, Industrie, Großhandel, Verbände, Kammern, Krankenkassen.
  • Derzeit wird auch an einer Reform der Ausbildung durch den Bundesgesetzgeber gearbeitet.
  • Mehr Informationen unter pta-fachschule.de

 

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