Münster 19.08.2019
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Warum die Vor-Ort-Apotheke nicht immer der Wunschtraum ist

In den Apotheken vor Ort herrscht Fachkräftemangel. Auch deshalb geht die Zahl der Apotheken seit Jahren zurück. Warum der Arbeitsplatz Apotheke dennoch eine Zukunft hat und für sie der schönste der Welt ist, schildern in einer kleinen Serie Inhaber, angestellte Apotheker, Praktikanten sowie Pharmazeutisch-Technische Assistenten. Und eine Studentin erklärt, warum ihn viele angehende Pharmazeuten dennoch nicht wählen.

Eine eigene Apotheke? Ist für viele nicht die allererste Wahl, sagt Alexa Brouns. Wer sich mit der Pharmazie-Studentin unterhält, bekommt eine Idee davon, warum in der Branche Fachkräftemangel herrscht. Das Gespräch mit ihr ist ein Lehrstück für die Gesundheitspolitik.

Mit 17 Jahren bereits hatte Alexa Brouns das Abitur in der Tasche und stand vor der Frage, was sie werden wollte. Bio und Mathe waren ihre Lieblingsfächer in der Schule. Etwas mit Naturwissenschaften sollte es also werden. Aber auch etwas mit guten Berufsaussichten. Biowissenschaften zum Beispiel kamen deshalb für sie nicht recht in Frage, auch weil dann vermutlich später einmal nur das Labor geblieben wäre. „Medizin wäre auch nichts für mich“, sagt sie – und winkt bei der Vorstellung, Patienten zu operieren, heftig mit den Händen ab.    

Also Pharmazie. „Da stehen viele verschiedene Wege offen: Industrie, Apotheke, Verwaltung, Krankenhaus. Und man hat beste Zukunftsaussichten. Wir werden händeringend gesucht“, erklärt Alexa Brouns. 
Zudem sei die Zahl der Studenten klein, die Atmosphäre an der Uni also persönlich, man habe zu jedem im Semester guten Kontakt. Sich mit Hunderten von Kommilitonen um die Plätze im Hörsaal drängeln, wie in anderen Fächern üblich, das wäre nichts für sie. 

Mangelnde Wertschätzung
„Außerdem verbindet das Studium Theorie und Praxis miteinander - und es ist spannend“, fügt sie hinzu. Morgens Vorlesung, nachmittags Labor. Mittlerweile ist sie im vierten Semester und schwärmt von „Teedrogenkunde“ und „instrumenteller Analytik“.  Man spürt die Begeisterung fürs Fach – und gerade diese schreckt viele Studenten von einer Zukunft in der Vor-Ort-Apotheke ab, sagt Alexa Brouns. „Da besteht die Sorge, dass man in erster Linie Kaufmann ist“, erläutert sie. Das sei auch das Bild, das die Öffentlichkeit von Apothekern habe, fügt sie hinzu. „Der Beruf wird gar nicht genügend wertgeschätzt.“ 

Die Famulatur, also das erste Praktikum hat sie bereits hinter sich. „Die Bürokratie“, die sie dort kennengelernt hat, lässt auch sie zweifeln, ob sie sich eines Tages mit einer Apotheke selbstständig machen möchte. Angestellte Apothekerin – das sei eher etwas, überlegt sie. Oder eben die Industrie. Und mit dieser Einschätzung steht sie im Semester nicht allein da, beschreibt sie die Stimmung unter den anderen Studenten. 

Was aber, wenn Beratungs- und Dienstleistungen einen höheren Stellenwert bekämen, auch durch eine bessere Honorierung, und der Apothekerberuf mithin wieder mehr Wertschätzung? Was, wenn die stratifizierte Medizin, individuell auf den Patienten zugeschnitten, weiter an Bedeutung gewänne? Wenn Apotheker eines Tages für jeden Patienten die passende Tablette mit dem 3-D-Drucker in der Apotheke vor Ort selbst herstellten? Was wenn weniger Zeit für die Bürokratie und mehr für die Patienten bliebe?
Dann, sagt Alexa Brouns und lächelt, würde der Job in der Apotheke für viele gewiss deutlich attraktiver: „Mehr Bezug zum Fach und mehr Beratung – dann ist Apotheke vor Ort eine Perspektive.“

  • Pharmazie wird in NRW lediglich an den Universitäten in Münster, Bonn und Düsseldorf gelehrt.
  • Bundesweit sind nach Informationen von hochschulstart.de zum Sommersemester 2019 annähernd 900 Pharmazie-Studienplätze zu vergeben gewesen. Auf jeden Platz kamen zwei Bewerber. 
  • Die Apothekerschaft in NRW setzt sich für einen weiteren Studienstandort ein.
  • Die Bundesarbeitsagentur stuft den Apothekerberuf seit Jahren als Engpassberuf ein, in dem ein Fachkräftemangel herrscht.
  • Laut einer Studie der ABDA steigt in der Industrie die Zahl der Apotheker deutlich an: Ende 2018 arbeiteten rund 6.850 Pharmazeuten in der Industrie, ein Jahr zuvor waren es 6.530.
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