Münster 22.02.2021
Aktuelles

Tante Emma mit Hightech-Labor

Vorn ein Tante-Emma-Laden, im besten Sinn. Allerdings heller, moderner, übersichtlicher als die Tante-Emma-Läden in früheren Zeiten. Aber mit der bewährten Nähe und Dienstleistungsbereitschaft. Ein Seniorenpaar, nicht mehr allzu gut zu Fuß, schiebt seine Arzneimittel-Rezepte durch den Spalt in der Plexiglasscheibe am Verkaufstisch. Ach ja, und ein paar Hustenbonbons hätte der Mann gern noch, ohne Zucker. Die Mitarbeiterin eilt hinter dem Tisch hervor zu den Regalen hinter dem Ehepaar, sucht die Hustenbonbons heraus und bringt sie den beiden. Der „Chef“ kommt vorbei, grüßt die beiden Kunden mit Namen. Mitten im Zeitalter der Digitalisierung eine kleine analoge Welt.

Durch die Tür hinter den Tischen hindurch am Ende des Flurs irgendwie immer noch ein Tante-Emma-Laden im besten Sinn. Hier werden die Sonderanfertigungen für die Patienten hergestellt, denen mit den Fertigarzneimitteln „von der Stange“ nicht geholfen ist. In der Rezeptur summt der Topitec, sozusagen der „Mixer“ des Apothekers oder „Salbenrührautomat“. Mit immer gleichbleibender Geschwindigkeit dreht sich die kleine Salbendose, Kruke genannt. Daneben auf der Arbeitsfläche stehen eine Fein- und eine Analysewaage, voll elektronisch versteht sich. Computer, Tastatur, Bildschirm und ein grauer Kasten, das Nahinfrarot-Spektroskopie-Gerät (NIR). Hinter den Kulissen ist die Apotheken-Welt längst digital. Vier Rezepturen täglich werden in der münsterischen Jahreszeiten-Apotheke individuell für Patienten und Arztpraxen angefertigt. 20 bis 25 sind es etwa pro Woche, sagt Inhaber Jan Harbecke. Früher ein aufwendiger Prozess – und manchmal auch ein fehleranfälliger. 

Heute wird alles digital gesteuert, kontrolliert, dokumentiert. Mit Hilfe von Datenbanken etwa wird das Rezept des Arztes gecheckt: Passen die Inhaltsstoffe zusammen und haben sie auch die beabsichtigte Wirkung? Die Ausgangsstoffe für die Salbe werden geprüft, früher per Dünnschichtchromatographie, ein zeitintensives physikalisch-chemisches Trennverfahren. Heute nutzt Jan Harbecke den kleinen grauen Kasten, das NIR-Gerät: Jeder Stoff nämlich absorbiert Infrarotlicht auf seine eigene, charakteristische Weise und lässt sich mit dem NIR-Gerät identifizieren. Was früher Stunden dauerte, ist nun in Sekunden sicher erledigt. Und das NIR-Gerät erstellt das Prüfprotokoll gleich dazu. Fein- und Analysewaage speichern digitale Wägeprotokolle. Rührdauer und Geschwindigkeit werden im Topitec programmiert. Die Herstellungsanweisung digital erstellt und gespeichert. 

„Durch die Digitalisierung im Labor und in der Rezeptur ist die Sicherheit der individuell angefertigten Mittel exponentiell gestiegen“, sagt Jan Harbecke. Zum Beispiel sind Fehler in der Berechnung der zweiten Stelle nach dem Komma oder gar die Verwechslung von Stoffen nahezu ausgeschlossen.

„Und wir sparen Zeit“, fügt Jan Harbecke hinzu. Die Apotheken nämlich leiden unter enormen Fachkräftemangel. Jede Minute, die ein Mitarbeiter hinten im Labor beschäftigt ist, fehlt vorn in der Apotheke, um die Patienten zu beraten. Und diese Beratung benötigen die Patienten immer häufiger. Die Zahl der Älteren steigt – und mit dem Alter auch die Zahl der Arzneimittel, die die Senioren benöti-gen. Damit die richtig eingenommen werden, benötigen die Patienten Unterstützung - und auch ein bisschen Tante-Emma-Nähe.  

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