Münster/Tecklenburg. 07.05.2019
Aktuelles

Lieferengpässe – Apotheker in Sorge um Patienten

Es sind ausgerechnet die Sartane, Blutdrucksenker also, die bei Elke Balkau, Apothekerin in Tecklenburg und Vorsitzende der Bezirksgruppe Steinfurt des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), vor Ärger die Adern schwellen lassen. Denn insbesondere diese Wirkstoffe, mit denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden, sind derzeit von Lieferengpässen betroffen.  
Aber nicht nur die Sartane fehlen in den Apotheken, sondern auch Schmerzmittel wie Ibuprofen in höherer Dosierung und mit Langzeitwirkung. Außerdem Tropfen gegen erhöhten Augeninnendruck, Antidepressiva, Mittel gegen Epilepsie, nennt Balkau weitere Beispiele. Die Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aktuelle Lieferengpässe führt, ist derzeit rund 200 Zeilen lang.  

Die Folgen 
In den meisten Fällen können die Lieferengpässe durch andere Präparate überbrückt werden. Dafür muss Balkau die Patienten, die ein Rezept einzulösen wollen, aber meist zurück zum Arzt schicken, damit er die Medikation umstellt. „Das kostet uns Zeit, weil wir viel erklären müssen, ist aber vor allem für die Patienten äußerst ärgerlich – und manchmal auch riskant“, warnt Elke Balkau. „Bei Patienten, die mehrere Arzneimittel zugleich einnehmen müssen, besteht die Gefahr, dass sie das neue, ungewohnte Präparat mit einem ihrer anderen Mittel verwechseln und zur falschen Tageszeit oder in der falschen Dosierung einnehmen“, so die Apothekerin. Zudem sieht sie das Risiko, dass die Patienten - durch das nicht vertraute Präparat verunsichert - die Therapie ganz abbrechen. Gefährlich wird es zudem dann, wenn Präparate fehlen, die in akut lebensbedrohlichen Situationen helfen - wie zum Beispiel im vergangenen Sommer Mittel, um Insektengift-Allergiker gegen einen anaphylaktischen Schock zu behandeln. 

Die Ursachen 
„Grund für die Engpässe ist der Spardruck im Gesundheitswesen“, erklärt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe: Die Krankenkassen handeln mit den Pharmafirmen Rabattverträge aus. Diese lassen dann Wirkstoffe kostengünstig im Ausland, meist Asien, produzieren. Aufgrund von Konzentrationsprozessen gebe es dort nur noch wenige, für manche versorgungsrelevanten Wirkstoffe nur zwei Hersteller. Wenn bei einem davon Produktionsprobleme entstehen, komme es zu den Lieferengpässen. Ferner sei es für Hersteller meist lukrativer, ihre Ware in andere Länder zu liefern, in denen höhere Preise als in Deutschland gezahlt werden. „Der Kostendruck ist mittlerweile so hoch, dass die Versorgungsqualität und –sicherheit nicht immer gewährleistet sind“, warnt Dr. Klaus Michels.  

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