Münster 12.12.2019
Aktuelles

Lieferengpässe: Apotheker fordern weitere Schritte

Mehr als 200 gängige Arzneimittel sind in Deutschland derzeit nicht verfügbar. Apotheker warnen seit Monaten vor den Folgen, die Lieferengpässe für Patienten haben können. Nun endlich will der Bundestag darüber beraten, wie das Problem zu lösen ist. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe in Münster. „Die geplanten Maßnahmen, die bisher bekannt geworden sind, reichen allerdings noch nicht aus, um die Versorgung der Patienten nachhaltig zu sichern“, fügt er hinzu.

Thema im Gesundheitsausschuss
Die Große Koalition will die Lieferengpässe im Rahmen der weiteren Beratungen über das „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ angehen, das nun in erster Lesung im Bundestag behandelt wird. Am 18.12.2019 sollen die Lieferengpässe Thema im Gesundheitsausschuss sein. Die Pläne der Großen Koalition sehen bisher unter anderem vor, dass Behörden die Hersteller und Großhändler zur Vorratshaltung verpflichten können. Zudem sollen Großhändler und Hersteller den Behörden auf Anfrage Informationen zu Beständen, Produktion, Absatzmengen und drohenden Lieferengpässen geben müssen. Bisher sind die Angaben über Lieferengpässe freiwillig.

„Diese Maßnahmen sind wichtig“, so Dr. Klaus Michels. Allerdings werde das Problem auf Dauer so nicht gelöst. „Denn die eigentliche Ursache der aktuellen Situation ist, dass die Arzneimittelversorgung der Bürger zunehmend den Gesetzen des freien Marktes unterworfen wird“, so Dr. Michels. Die den Marktgesetzen unterworfene Preisgestaltung sei offensichtlich auf Dauer ein Risiko für die Gesundheitsversorgung der Bürger. Die Lieferengpässe seien dafür der Beleg. So gebe es aufgrund des Kostendrucks und -wettbewerbs im Gesundheitswesen weltweit nur noch wenige Betriebe, meist in Asien gelegen, die Wirkstoffe für Arzneimittel herstellten. Wenn es in einem dieser wenigen Betriebe Produktionsprobleme gebe, komme es zu den Lieferengpässen.

Mehr Produktionsstätten erforderlich
Die Politik habe dafür zu sorgen, dass es wieder mehrere Produktionsstätten gebe, auch in Europa, so Dr. Michels.  Zudem müsse verhindert werden, dass Arzneimittel bevorzugt in die Länder verkauft werden, die höhere Preise für Arzneimittel bezahlen, so Michels weiter. 

„Die Rabattverträge, die die Krankenkassen mit den Herstellern abschließen, verschärfen das Problem zusätzlich “, so Dr. Michels. „Deshalb darf nicht der billigste Preis das einzige Kriterium beim Abschluss von Rabattverträgen sein, vielmehr muss die Versorgungssicherheit den Ausschlag geben.“ 

Laut Apothekenklima-Index 2019 hat sich die Anzahl der Rabattarzneimittel, die aufgrund eines Lie-ferengpasses ausgetauscht werden mussten, bei gesetzlich krankenversicherten Patienten von 4,7 Millionen Packungen im Jahr 2016 auf 9,3 Millionen Stück im Jahr 2018 verdoppelt. Betroffen ist jedes 50. Rabattarzneimittel.  

„Die Lieferengpässe sind keineswegs ,marginal‘, wie jüngst vom AOK-Bundesverband öffentlich erklärt“, so Klaus Michels. „Sie sind für Patienten, Apotheker und Ärzte ein großes Ärgernis. Sie sind aber vor allem zunehmend ein Risiko für die Verbraucher.“

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