Münster 17.06.2021
Aktuelles

„Eine Ohrfeige für die Apothekenteams“

„Der Wahlkampf wird auf dem Rücken der Apotheken vor Ort und damit letztlich auch der Patienten ausgetragen.“ Mit diesen Worten kritisiert Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe die Pläne der Bundesregierung, die Vergütung der Apotheken für das Ausstellen digitaler Impfzertifikate zu kürzen, nachdem die Opposition den Bundesgesundheitsminister öffentlich kritisiert hatte. Aus dem gleichen Grund sei zuvor bereits die Vergütung weiterer pandemiebedingter Sonderaufgaben mitten im laufenden Verfahren erheblich gesenkt worden, so Dr. Michels.

Problematisch sei vor allem die Kurzfristigkeit, mit der die Änderung erfolge. Damit werde der Kalkulation der Apotheken der Boden entzogen. Wenn Apothekerinnen und Apotheker nicht mehr auf die Zusagen der Politik vertrauen könnten, werde es schwierig, sie in Zukunft zu motivieren, wie bisher in der Pandemie innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen der Politik umzusetzen und neue Leistungen zum Schutz der Patienten anzubieten. „Wir Apotheken vor Ort benötigen Planungssicherheit“, fügt er hinzu. 

Seit Montag stellen die Apotheken für die geimpften Menschen in Deutschland digitale Nachweise aus. Die Berufsorganisationen hätten dafür in den Aufbau einer IT-Infrastruktur investiert, die Apotheken vor Ort Fachpersonal abgestellt und zusätzliche Hardware eingesetzt. Um ein Zertifikat auszustellen, müssten die Unterlagen geprüft werden. Die Patienten kämen nicht nur mit gelben Impfpässen, sondern mit alten weißen Impfbüchern, mit roten Impfheften aus der DDR oder mit Nachweisen aus den Impfzentren. Unplausibilitäten müsse nachgegangen werden. Die Daten müssten kontrolliert, eingegeben und der Nachweis ausgedruckt werden. Ferner benötigten die Menschen Beratung zur Nutzung der CovPass-App und der Corona-Warn-App. „Der Zeitaufwand für die Ausstellung der Zertifikate ist hoch“, so Dr. Michels.

Die Apothekenteams seien in der Corona-Krise stark gefordert und einem enormen Stresslevel ausgesetzt. „Viele Kollegen und ihre Mitarbeiter gehen seit annähernd eineinhalb Jahren über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus. Da ist eine verlässliche Honorierung angemessen. Eine wiederholte Kürzung der Vergütung von Leistungen hingegen ist eine Ohrfeige für die höchst engagierten Apothekenbeschäftigten.“
 

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