Sprockhövel/Münster 01.07.2019
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Ein Jahr Valsartan-Skandal: Apotheker haben Patienten vor gravierenderen Folgen bewahrt

Ein Jahr Valsartan-Skandal: Im Juli vergangenen Jahres sind die ersten Präparate des Blutdrucksenkers zurückgerufen worden, nachdem bekannt geworden war, dass das Mittel mit einem potenziell krebserregenden Stoff verunreinigt war. Zwölf Monate später sind die Probleme noch immer nicht ganz gelöst: Nach wie vor verzeichnen Apotheker Lieferengpässe bei den Blutdrucksenkern. Doch die Folgen des Valsartan-Skandals hätten für Patienten noch viel gravierender sein können. 

„Noch schlimmer wäre vermutlich gewesen, wenn viele Patienten aus Verunsicherung einfach keine Blutdrucksenker mehr genommen hätten“, blickt Michael Mahl, Apotheker in Sprockhövel und Vorsitzender der Bezirksgruppe Ennepetal-Ruhr des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) auf das vergangene Jahr zurück. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei es für den Erfolg der Behandlung besonders wichtig, dass Patienten ihre Arzneimittel konsequent einnehmen. Ansonsten steige das Risiko von Folgeerkrankungen – bis hin zu Schlaganfällen und Herzinfarkten, so Michael Mahl.
Vor allem zu Beginn des Skandals hat Michael Mahl in seiner Apotheke jeden Tag viele Gespräche geführt, Patienten informiert und persönlich beraten, um in Absprache mit dem Arzt die Therapie umzustellen. Und noch heute hilft er angesichts der Lieferengpässe, zu denen auch der Valsartan-Skandal geführt hat, für die Patienten sichere Alternativen zu finden.

Gute Versorgung durch Vor-Ort-Apotheken

„Ohne die Apothekerinnen und Apotheker und die intensive Beratung vor Ort wären die Auswirkungen dieses Skandals kaum beherrschbar gewesen“, sagt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. „Das hätte man mit Versendern nicht stemmen können“, fügt er hinzu. Der Skandal habe gezeigt, wie wichtig eine gute Versorgung durch Präsenzapotheken sei. 

Der Skandal habe aber auch deutlich gemacht, wie bedeutsam die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland sei: „Ohne die Preisbindung wäre der Skandal die Versicherten möglicherweise teuer gekommen. Denn die Preise für andere Blutdrucksenker hätten vermutlich angezogen, nachdem die Valsartan-Präparate aus dem Markt genommen werden mussten und ein Engpass entstand“, warnt Michels. 

Derzeit fürchten die Apotheker, dass diese Preisbindung in Deutschland kippen könnte – weil die EU sie für unzulässig hält. Zwar arbeitet das Gesundheitsministerium an einem Gesetz, um die Festpreise zu sichern. Die Apotheker jedoch haben Sorge, dass dieser Entwurf nicht rechtssicher ist. „Wir erwarten aber vom Gesetzgeber eine verlässliche und rechtlich wirksame Lösung, die die sichere Versorgung der Patienten zu gleichen, fairen Preisen gewährleistet“, so Michels. 
 

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