Dortmund 29.11.2019
Aktuelles

Ein Dorf mitten in der Stadt

Vom Bergarbeiterviertel zum Quartier für Singles und Familien, Alteingesessene und Einwanderer. Kattrin Hildebrandt führt in dritter Generation die Westfalia-Apotheke in Dortmund-Dorstfeld.

Das Bein war offen. Der Strumpf klebte bereits dunkel verfärbt daran, als der Patient in die Apotheke kam und nach einer Wundsalbe fragte. Kattrin Hildebrandt gab ihm das Mittel nicht, sondern etwas viel Wirksameres, nämlich ein paar offene Worte, wie man sie im Ruhrgebiet versteht: „Wenn Sie das Bein behalten wollen, müssen Sie zum Arzt.“ Das half. Der alte Mann ließ sich von Kattrin Hildebrandt in die Praxis nebenan bringen, den Rollator hob ihm die Apothekerin noch die Stufen hinauf. „In solchen Fällen spüre ich, wie sehr wir hier gebraucht werden“, sagt Kattrin Hildebrandt. 

Familienstrukturen verändert
Mitten in Dortmund befindet sich ihre Apotheke, im Stadtteil Dorstfeld, einem ehemaligen Bergarbeiterviertel. Eigentlich ein kleines Dorf – in dem sich aber doch die Herausforderungen der Großstadt zeigen. Die Zahl der Singlehaushalte ist in Städten wie Dortmund hoch. Auch der alte Patient hatte offenbar keine Familie in der Nähe, die sich kümmerte und ihn wegen der Wunde am Bein zum Arzt drängte. Das Beispiel macht deutlich, welche Aufgaben auf die Apotheken vor Ort zukommen, aber auch welche Bedeutung sie gewinnen, wenn sich Familienstrukturen verändern, bislang vor allem in Großstädten, zunehmend aber auch im ländlichen Raum. Es zeigt aber auch, wie erfüllend für eine Pharmazeutin wie Kattrin Hildebrandt die Tätigkeit in ihrer Apotheke mitten in der 600.000-Einwohner-Kommune ist.

Anonym ist die Arbeit trotz der Vereinzelung der Menschen in der Großstadt nicht. Kattrin Hildebrandt kennt ihre Patienten und ihr Viertel. 1951 ist die Apotheke in Dortmund-Dorstfeld vom Großvater eröffnet worden, später hat die Mutter übernommen. Kattrin Hildebrandt ist über der Offizin in der ersten Etage groß geworden, wohnt heute noch dort. Auch ihr Kind ist in der Apotheke groß geworden. Seit 2006 ist sie Inhaberin. Vor drei Jahren hat sie ein paar Hundert Meter entfernt noch eine Filiale übernommen. Es gibt Patienten, die waren schon bei ihrer Mutter Kunden, die erkennt sie an der Stimme, wenn sie die Apotheke betreten. Jeden zweiten kann sie mit Namen ansprechen, schätzt sie. Etwa 80 Prozent sind Stammkunden, die sie zumindest vom Gesicht kennt. Sie selbst wird im Supermarkt nebenan freundlich gegrüßt. 

Neue Erkrankungen
Was nicht heißt, dass der Alltag gleichförmig ist. Das Viertel verändert sich. Neben den ehemaligen Bergleuten, sind viele Einwanderer in den Stadtteil gezogen. Sichelzellanämie, eine Erbkrankheit, die vor allem bei Menschen aus Subsahara-Afrika, dem Nahen Osten und dem Mittelmeerraum auftritt, kannte Kattrin Hildebrandt früher nur aus dem Lehrbuch. Mittlerweile hilft sie einigen Patienten, die unter diesem Gen-Defekt leiden. „Die Arbeit ist spannend“, sagt die Pharmazeutin. Englisch und Französisch spricht sie hervorragend – in der Dortmunder Apotheke kann sie ihre Sprachkenntnisse frisch halten.

Die menschliche Nähe eines Dorfes und trotzdem die Abwechslung des Großstadtlebens – Kattrin Hildebrandt genießt, in ihrer Apotheke mitten in Dortmund beides zugleich zu haben.   

  • In Dortmund gibt es derzeit 118 Apotheken. Das sind 48 weniger als im Jahr 2003. 
  • Somit ist die Zahl der Apotheken in den vergangenen 15 Jahren um annähernd 29 Prozent zurückgegangen. In ganz Westfalen-Lippe beträgt der Rückgang in diesem Zeitraum 13 Prozent. Wie Dortmund sind auch andere große Ruhrgebietsstädte besonders stark von diesem Rückgang betroffen. 
  • Auf 100.000 Einwohner kommen in Dortmund 20 Apotheken. Bundesweit beträgt die Apothekendichte je 100.000 Einwohner 23. In der EU sind es im Durchschnitt 31.


 

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