Minden/Münster 27.08.2019
Aktuelles

„Die Apotheke wird mir fehlen“

In den Apotheken vor Ort herrscht Fachkräftemangel. Auch deshalb geht die Zahl der Apotheken seit Jahren zurück. Warum der Arbeitsplatz Apotheke dennoch eine Zukunft hat und für sie der schönste der Welt ist, erklären in einer kleinen Serie Inhaber, angestellte Apotheker, Studenten, Praktikanten sowie Pharmazeutisch-Technische Assistenten.

Apotheke? Keine rechte Ahnung, was das ist. Mit 16 Jahren und der mittleren Reife gerade in der Tasche hatte Marion Altvater noch niemals einen Fuß in eine Offizin gesetzt. Da lag die Berufswahl pharmazeutisch-technische Assistentin scheinbar fern. Chemie und Physik waren immerhin ihre Lieblingsfächer in der Schule. Sport auch. „Physiotherapeutin wäre in Frage gekommen“, blickt sie zurück. „Aber dann hat mir die Schule für PTA in Bückeburg so gut gefallen: Sie ist in einem Palais untergebracht. Man konnte dort auch wohnen“, so Marion Altvater – und lacht heute bei dem Gedanken daran, wie sie damals ihre Berufswahl getroffen hat.

Aber die besten Entscheidungen werden bekanntlich nicht allein rational, sondern auch mit dem Herzen gefällt: Ihre Wahl bereut Marion Altvater jedenfalls nicht – auch nach 45 Jahren im Beruf.

Dabei war der Anfang nicht leicht. Das Praktikum nach der PTA-Schule absolvierte sie in Espelkamp. „Mein damaliger Chef stellte ein Repertoire an Eigenmarken her, es wurde regelmäßig tablettiert und dragiert. Das fand ich äußerst spannend und verschanzte mich daher gern im Labor und in der Rezeptur. Der Handverkauf hingegen war zu diesem Zeitpunkt noch ein rotes Tuch für mich.“

Fluchtweg versperrt
Eines Morgens aber waren die Türen zum Labor und zur Rezeptur abgeschlossen. Der Chef hatte ihr den Fluchtweg versperrt. „Da musste ich wohl oder übel nach vorn “, so Marion Altvater. 

Das Fach „Apothekenpraxis“ habe damals noch nicht auf dem Stundenplan gestanden, so dass sie ihr theoretisches Wissen selbst „kundengerecht verpacken“ musste, erklärt sie ihre anfängliche Unsicherheit gegenüber den Kunden. „Irgendwann aber war das Eis gebrochen“, wie sie selbst sagt. „Als ich erlebt habe, wie viel ich zurückbekomme, wie dankbar die Patienten sind, wenn man ihnen einen guten Rat gibt und ihnen hilft, da war alles gut.“ Sechs Jahre ist sie in Espelkamp geblieben. „Dort habe ich viel gelernt“, sagt sie. Seit 39 Jahren ist sie nun in der Kuhlenkamp-Apotheke in Minden angestellt.

Vielfalt und Abwechslung
Rezepturen herzustellen – das macht ihr heute noch Spaß. „Aber die Anforderungen an Herstellungstechniken, an Hygiene und Dokumentationen sind im Vergleich zu früher enorm gestiegen. Regelmäßige Fortbildungen sind in der Apotheke deshalb einfach unerlässlich“, fügt sie hinzu. So hat sie sich ihr Berufsleben lang weitergebildet, unter anderem zur Gesundheitspädagogin und Phyto-PTA. Ihr Wissen hat sie stets weitergegeben, hat zum Beispiel Wochenendseminare für die Kunden zur Venengesundheit organisiert, Aktionstage und –wochen zu Schüssler-Salzen mitveranstaltet, um Patienten gut zu informieren. 

Diese Abwechslung und Vielfalt habe sie im Beruf gehalten, erklärt sie: „Es wird in der Apotheke nie langweilig.“ So ist sie auch geblieben, nachdem ihre Tochter zur Welt gekommen war und so lange ihre Schwiegermutter Pflege brauchte. „Das konnte ich dank der flexiblen Arbeitszeiten mit dem Job unter einen Hut bringen“, erklärt sie. Jetzt hört sie trotz allem auf: Zum Ende dieses Jahres geht sie in den Ruhestand. „Die Apotheke wird mir fehlen.“

  • Die Ausbildung einer PTA dauert in der Regel 2,5 Jahre – davon 2 Jahre an einer staatlich aner-kannten PTA-Fachschule und bisher ein halbes Jahr Praktikum in einer Apotheke. 
  • Voraussetzung ist die mittlere Reife.
  • PTA-Fachschulen gibt es in Westfalen-Lippe zum Beispiel in Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Paderborn und Siegen. 
  • Das Schulgeld wird derzeit zu 70 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen. 30 Prozent müssen die Schülerinnen und Schüler selbst bezahlen. An den PTA-Fachschulen Westfalen-Lippe in Gelsenkirchen Castrop-Rauxel, Paderborn und Siegen sind das derzeit 88,50 Euro im ersten Schuljahr und 58,50 Euro im zweiten.
  • Die Gesundheitsminister der Länder wollen dieses Schulgeld ganz abschaffen und drängen auf eine Finanzierung durch den Bund. 
  • Dieses Schulgeld deckt im Übrigen nur einen Teil der Kosten. Apothekerverband und Apothekerkammer Westfalen-Lippe sowie Kommunen tragen einen weiteren Teil bei. 
  • Für ausgebildete PTA gibt es neben der öffentlichen Apotheke eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern: Krankenhausapotheken, Industrie, Groß-handel, Verbände, Kammern, Krankenkassen.
  • Derzeit wird auch an einer Reform der Ausbildung durch den Bundesgesetzgeber gearbeitet.
  • Mehr Informationen unter pta-fachschule.de 


 

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