Münster 02.08.2019
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„Die Apotheke ist der Stolz des Ortes“

„Die Apotheke ist der Stolz des Ortes“

Warum Monika und Friedrich Prinz bisher nicht von ihrem Beruf lassen können, obwohl sie eigentlich alt genug sind, um sich zur Ruhe zu setzen.

In den Apotheken vor Ort herrscht Fachkräftemangel. Auch deshalb geht die Zahl der Apotheken seit Jahren zurück. Warum der Arbeitsplatz Apotheke dennoch eine Zukunft hat und für sie der schönste der Welt ist, erklären in einer kleinen Serie Inhaber, angestellte Apotheker, Praktikanten sowie Pharmazeutisch-Technische Assistenten.

Apotheker? Das wollten sie ursprünglich gar nicht werden. Heute aber können Monika und Friedrich Prinz gar nicht mehr von ihrem Beruf lassen. Dabei haben sie das Ruhestandsalter eigentlich erreicht.
Monika und Friedrich Prinz, Kunibertus-Apotheke in Wenden.

Mit einem Chemiestudium fingen sie beide an. Doch die Berufsaussichten waren in den 80er Jahren nicht allzu gut. Kinder bekommen, eine Babypause einlegen – in dieser Branche damals schwer machbar, blickt Monika Prinz zurück. „Als Apothekerin kannst du immer wieder in den Job zurück“, köderte eine Freundin sie. Familienfreundlichkeit – das war offenbar schon früher ein starkes Argument für die Apotheke. Also setzte Monika Prinz ein Pharmaziestudium obendrauf, und ihr Mann Friedrich machte es ihr nach.
Nach dem Abschluss begaben sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen Apotheke – und entdeckten die Anzeige eines Hausarztes, der für seine Patienten eine Apotheke im Ort haben wollte. So verließen die Prinzens ihre Heimat, das Saarland, und zogen nach Wenden-Hünsborn, einen Ort an der Grenze zwischen Sauer- und Siegerland. „Wir wurden von den Menschen erwartet“, blickt Monika Prinz auf den herzlichen Empfang zurück. „Sie hatten ihre Rezepte zuvor gehortet, um sie nicht irgendwo, sondern in ,ihrer‘ Apotheke einlösen zu können. Die Apotheke war der Stolz der Ortes.“
Annähernd 33 Jahre ist das nun her. Mittlerweile kommen die Enkel der Bürger, die damals die ersten Rezepte einlösten. Die Prinzens sind selbst Großeltern geworden. Friedrich Prinz ist 67 Jahre alt, Monika 66. Sie würden sich jetzt gern zur Ruhe setzen, finden aber keinen Nachfolger für die Apotheke.

3.300 Menschen leben in Hünsborn, annähernd 20.000 in der Gemeinde Wenden. Das Einzugsgebiet ist groß, reicht bis in den Nachbarkreis Siegen. Die Region steht gut da: Südwestfalen ist die drittstärkste Industrieregion Deutschlands. Der Kreis Olpe gehört zu den wohlhabendsten in NRW; es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Die Bevölkerungsprognose ist positiver als in mancher ländlichen Region. Eine große Hausarztpraxis gibt es im Ort. Die Türglocke in der Apotheke geht an diesem Vormittag im Minutentakt. Patienten gehen ein und aus.

Es ginge auch ohne Nachfolger. Für den Ruhestand haben Monika und Friedrich Prinz gut vorgesorgt; auf einen hohen Abschlag sind sie nicht angewiesen. „Auf das Geld kommt es nicht an“, sagt Friedrich Prinz. „Ich möchte nur, dass die Apotheke weiter bewirtschaftet wird. Da steckt mein Leben drin“, sagt er. Und nicht nur seines.

Die Prinzens erzählen von der Frau, die in die Apotheke kam, um ein Mittel für ihren Mann zu kaufen. Seit Wochen schon hustete er. Friedrich Prinz weigerte sich, der Frau etwas zu verkaufen. Stattdessen schickte er sie mit ihrem Mann zum Arzt. Der diagnostizierte ein Lungenkarzinom. Der Mann wurde operiert. Heute geht es ihm wieder gut. Jahre ist das nun schon her.
Die Prinzens erzählen von Patienten, die sich morgens immer schlapp fühlten – und denen es nun besser geht, nachdem die beiden Apotheker ihnen geraten haben, die Tabletten anders einzunehmen und sie zu teilen: morgens nur noch eine halbe und die andere halbe mittags, damit der Blutdruck nicht zu stark absackt. Wenn man erlebt, wie leidenschaftlich sie darüber reden, versteht man, warum sie nicht einfach hinwerfen wollen.

 „Die Menschen brauchen die Nähe“, sagt Friedrich Prinz. „Sie brauchen einen direkten Ansprechpartner, nicht nur eine Hotline.“ Apotheker? Das würden sie jederzeit wieder werden wollen.

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