16.11.2017
Aktuelles

Diskussion ohne örtliche Apotheker: "Dafür fehlt uns jedes Verständnis"

Münster/Bestwig. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) hat mit Empörung auf die Zusammensetzung eines Podiums der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum am Mittwoch (15. November) in Bestwig (Hochsauerlandkreis) reagiert. Der AVWL-Vorsitzende Dr. Klaus Michels hat sich deshalb in einem Schreiben an den nordrhein-westfälischen SPD-Landesvorsitzenden Michael Groschek gewandt:

„Am kommenden Mittwoch (15. November) befasst sich die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD in Bestwig (Hochsauerlandkreis) in einer öffentlichen Veranstaltung mit der gesundheitlichen Versorgung des ländlichen Raums. Auf das Podium geladen wurde zwar mit Doc Morris der Vertreter eines ausländischen Kapitalunternehmens für Arzneimittelversand, aber niemand aus der regionalen Apothekerschaft. Sie aber ist es, die die örtliche Versorgung und Beratung in der Fläche und zu Nacht- und Notdienstzeiten seit Jahrzehnten zuverlässig erhält und alles dafür tut, diesen Dienst an der Bevölkerung auch künftig zu garantieren anstatt nur die Rosinen aus dem Gesundheitsmarkt zu picken.

Uns Apotheker hat dieses Vorgehen der Stiftung Ihrer Partei empört. Deren Verhalten missachtet den gesetzlichen Versorgungsauftrag der öffentlichen Apotheken und den großen persönlichen Einsatz der Beschäftigten in den örtlichen Apotheken ebenso wie deren hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.

Es ist unangemessen, einen mittelständischen, orts- und bürgernahen Gesundheitsakteur wie die Apotheke in der Nachbarschaft vom politischen Podium in der Debatte über die Zukunft der Gesundheits- und Arzneimittelversorgung auf dem Land auszuschließen, der dafür wie wenige andere steht. Stattdessen holt sich die SPD-Stiftung ausgerechnet eine von Kapitalinteressen geleitete Konzernlobby aufs Podium, die diese Versorgungsstrukturen zu zerstören droht und damit die Apotheke als ein Stück Heimat für viele.

Dies gilt umso mehr, als gerade die nordrhein-westfälische SPD den öffentlichen Versorgungsauftrag der örtlichen Apotheken nie in Frage gestellt, sondern ihn stets bekräftigt und politisch gestützt hat. Es war die von Ihrer Partei geführte Landesregierung, die sich nach dem verhängnisvollen Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom Oktober 2016, demzufolge die deutsche Arzneimittelpreisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente nicht für ausländische Versender gilt, in einer Bundesratsinitiative für ein Versandhandelsverbot dieser sog. Rx-Arzneimittel eingesetzt hat, um dem marktradikalen Treiben solcher Firmen ein Ende zu setzen, denen Ihre Partei jetzt ein exklusives Podium bietet. Auf einer politischen Veranstaltung der westfälisch-lippischen Apothekerschaft am 27. März 2017 in Münster hat der Vertreter Ihrer Partei erneut betont, dagegen müsse etwas unternommen werden.

Die westfälisch-lippische Apothekerschaft hat bei all ihren Veranstaltungen vor Wahlen oder beim AVWL-Wahlcheck zur Bundestagswahl selbstverständlich stets die Politiker Ihrer Partei eingeladen und erfreulicherweise zu Gast gehabt. Wir wären niemals auf die Idee gekommen, die SPD als politischen Partner auszuschließen. Wir empfinden es als besonders bitter, dass dies nun umgekehrt uns gegenüber in einer für die Apotheken, ihre Beschäftigten und die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zentralen Frage geschieht. Angesichts von Akzeptanz und Bedeutung der öffentlichen Apotheken in der Bevölkerung – allein die westfälisch-lippischen haben etwa 300.000 Kundenkontakte pro Tag – fehlt uns für dieses Vorgehen aus Ihrer Partei jedes Verständnis.“

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Kontakt

Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

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