08.09.2017
Aktuelles

Apotheker diskutieren mit Politikern: „Wir müssen so schnell wie möglich handeln“

Münster. Welche Möglichkeiten zur Stärkung ortsnaher Apotheken gibt es? Wie kann die Politik angesichts hoher Rabatte und Aktionen von Onlineapotheken verhindern, dass Arzneimittel trotz potenziell gefährlicher Nebenwirkungen zu einer Ware unter vielen werden? Um diese und weitere Fragen drehte sich eine Diskussion, zu der Apothekerkammer (AKWL) und Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) am Montag Politiker der fünf größten Parteien nach Münster eingeladen hatten.

SPD-Politiker von Olberg noch unentschlossen

Während Robert von Olberg (SPD) offen zugab, in Sachen Versandhandelsverbot aufgrund rechtlicher Bedenken noch unentschlossen zu sein, fand Dr. Mathias Höschel (CDU) deutliche Worte: „Wir müssen so schnell wie möglich handeln. Je länger wir mit einem Verbot warten, desto mehr Probleme bekommen wir.“

Vorne, v.l.: Kathrin Vogler (DIE LINKE), Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen), Gabriele Regina Overwiening (AKWL). Hintere Reihe, v.l.: Dr. Klaus Michels (AVWL), Dr. Mathias Höschel (CDU), Jörg Berens (FDP), Robert von Olberg (SPD).

Vorne, v.l.: Kathrin Vogler (DIE LINKE), Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen), Gabriele Regina Overwiening (AKWL). Hintere Reihe, v.l.: Dr. Klaus Michels (AVWL), Dr. Mathias Höschel (CDU), Jörg Berens (FDP), Robert von Olberg (SPD).

 

Dass viele Apotheker die Auswirkungen der politischen Uneinigkeit schon jetzt spüren würden, illustrierte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening mit einem aktuellen Beispiel aus ihrer Apotheke: Vor einigen Wochen habe eine Patientin dringend Medikamente gegen Bluthochdruck benötigt. Das entsprechende Rezept hatte sie allerdings zuvor zu einer Online-Apotheke geschickt. Doch ohne Rezept kein Medikament – eine Zwickmühle für Overwiening: „Als Apothekerin muss und möchte ich der Patientin helfen, rechtlich sind mir aber die Hände gebunden.“ Der Apotheke vor Ort, so ihr Fazit, werde in derartigen Situationen eine Versorgung der Patienten nahezu unmöglich gemacht.

FDP pocht auf Wahlfreiheit

Eine Meinung, die Jörg Berens von der FDP am Donnerstag nicht teilte. Der Politiker, der zugleich bei einer niederländischen Versandapotheke arbeitet, betonte wiederholt die Eigenverantwortung der Patienten: „Letztlich sollte jeder selbst entscheiden dürfen, auf welchem Weg er seine Medikamente kauft.“ Rückendeckung erhielt er hierbei von Maria Klein-Schmeink: „Ein Verbot des Versandhandels mit Medikamenten bringt nichts, weil es rechtlich nicht lange Bestand hätte“, behauptete die Bundestagsabgeordnete der Grünen. Sinnvollere Maßnahmen zur Stärkung der Apotheke vor Ort sehe sie eher in einer Erhöhung der Sicherstellungszuschläge und kostendeckenden Nacht- und Notdienstpauschalen.

Patienten sind Hauptleidtragende

Der AVWL-Vorsitzende Dr. Klaus Michels sieht in derartigen Anpassungen keine Lösung: „Der einzige Weg, die flächendeckende Gesundheitsversorgung auch in Zukunft zu gewährleisten, führt über ein Versandverbot.“ Wenn der Gesetzgeber das Gesundheitswesen einem Preiswettbewerb aussetze, dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis Angebote wie eine eingehende Beratung wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fielen. „In anderen Bereichen, etwa in Krankenhäusern, sehen wir solche Tendenzen schon jetzt, die Hauptleidtragenden sind wie so oft die Patienten.“

Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, stellte sich ebenfalls hinter die Apotheker: „Kranke Menschen sind nun mal keine normalen Kunden. Aber genau als solche werden sie von Versandapotheken gesehen.“ Bei der Onlinebestellung überprüfe niemand, ob der Kunde eine oder zehn Packungen Paracetamol kaufe, habe niemand ein Auge auf den verantwortungs- und maßvollen Umgang mit Arzneimitteln. Medikamente gehörten in die Hände von Experten. „Das sind keine Smarties“, zitierte die Linken-Politikerin Jens Spahn von der CDU.

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Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V.
Willy-Brandt-Weg 11
48155 Münster

Telefon: 0251 539380
Telefax: 0251 5393813
E-Mail: apothekerverband@avwl.de

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