11.04.2018
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50 Jahre PTA-Beruf: „Am Anfang war alles noch ziemlich provisorisch“

Westfalen-Lippe/Gelsenkirchen. Am 18. März wurde der Beruf des Pharmazeutisch Technischen Assistenten (PTA) 50 Jahre alt. Barbara Schwier (71) und Werner Schürholz (81) sind Schüler der ersten Stunde gewesen. Während Schwier nach ihrer Ausbildung selbst als Lehrerin an der PTA-Schule in Gelsenkirchen arbeitet, zog es Schürholz in die Industrie. Ricarda Mosler (25) ist im zweiten Ausbildungsjahr. Im Generationen-Interview erzählen die drei, was sich für PTA seit 1968 geändert hat – und gehen der Frage nach, ob früher wirklich alles besser war.


Warum haben Sie sich für eine Ausbildung zur PTA entschieden?

Schwier: Vor 50 Jahren war das der folgerichtige Weg für mich. Mein Vater war Apotheker, ich bin also quasi in der Apotheke aufgewachsen, habe als Kind beim Pillendrehen geholfen. Das wäre heute schon aus hygienischen Gründen nicht mehr möglich. (lacht)

Schürholz: Ich bin gelernter Pharmagroßhandelskaufmann und habe danach in der Apotheke meines Vaters ausgeholfen. Der PTA-Beruf erschien mir sinnvoll, um auch pharmazeutisches Wissen zu bekommen. Am Anfang war allerdings noch alles ziemlich provisorisch – wir PTA-Schüler sind durch die benachbarten Apotheken gezogen und haben nach Fachliteratur und nicht mehr benötigten Instrumenten gefragt.

Mosler: Ich habe erst durch ein Schulpraktikum in der Apotheke über den PTA-Beruf erfahren. Zwar habe ich nach dem Abitur ein Chemiestudium begonnen, dann aber ziemlich schnell gemerkt, dass mir das Praktische mehr liegt. Als PTA braucht man Kenntnisse in vielen verschiedenen Bereichen, von der Arzneimittelherstellung bis hin zu Kommunikationsvermögen – diese Vielfalt reizt mich.

Schwier: PTAs sind quasi eierlegende Wollmilchsäue. Und die werden heutzutage natürlich stark nachgefragt. Man hat also auf jeden Fall eine Arbeitsplatzgarantie.

Arbeitsplatzgarantie? Und das, obwohl häufig von „Apothekensterben“ die Rede ist?

Schwier: Es schließen mehr Apotheken als neue öffnen, das stimmt schon. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es immer genug Apotheken vor Ort geben wird, die einen hohen Bedarf an qualifizierten PTA haben. In den 70er und 80er Jahren sah die Situation noch anders aus, da hatten wir in der Schule teilweise 800 Bewerbungen auf 80 freie Schulplätze – und die Apotheker logischerweise keine Probleme, vernünftiges Personal zu finden. Heute ist die Nachfrage definitiv höher als das Angebot, PTA können sich meist aussuchen, wo sie arbeiten möchten.

Mosler: Das war einer der Gründe, warum ich mich für den PTA-Beruf entschieden habe. Und natürlich die Vereinbarkeit mit der Familie – da die meisten PTA immer noch Frauen sind, ist es in der Regel kein Problem, in Teilzeit zu arbeiten und anschließend, wenn man möchte, wieder voll einzusteigen.

Schürholz: Deshalb gilt der PTA-Beruf auch als klassischer ‚Frauenberuf‘. Aber ich kann aus Erfahrung sagen: Die Aufgaben sind auch für Männer sehr interessant. (lacht)

Hat sich die Ausbildung in den letzten 50 Jahren verändert?

Schwier: Klar, die Ausbildung muss ja laufend an die Anforderungen der Praxis angepasst werden. Ich würde sagen, die Beratung ist heute deutlich wichtiger als noch vor ein paar Jahrzehnten. Als ich PTA gelernt habe, ging es eher um die Herstellung von Arzneimitteln.

Mosler: Die meisten Arzneimittel werden heutzutage ja nicht mehr in der Apotheke hergestellt sondern industriell gefertigt. Allerdings gibt es immer noch Situationen, in denen Medikamente in der Apotheke individuell hergestellt werden müssen. Zum Beispiel dann, wenn Babys oder Kleinkinder eine Dosierung benötigen, die es in dieser Form auf dem Markt nicht gibt.

Schwier: Verändert haben sich aber auch die Schüler. Früher haben wir Aufträge und Anweisungen nicht großartig hinterfragt. Das ist heute anders.

Schürholz: Und das ist auch gut so. PTA tragen häufig viel Verantwortung in einer Apotheke. Da genügt es nicht, einfach nur Anweisungen abzuarbeiten. Wenn der Arzt zum Beispiel einem Patienten ein Präparat verschrieben hat, das sich nicht mit seinen anderen Medikamenten verträgt, muss ich das selbstständig erkennen können.

Werner Schürholz (l.) im Gespräch mit einem PTA-Schüler.

Werner Schürholz (l.) im Gespräch mit einem PTA-Schüler.

 

 

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